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MOOCs an Hochschulen: Wiederentdeckung des Blended Learning?

Die MOOC-Diskussion (MOOC – Massive Open Online Course) hatte bislang ja einen recht typischen Charakter für den Bereich des technologieunterstützen Lernens: Die einen sehen darin (wieder einmal) eine Revolution und die Chance, Bildung weltweit zu demokratisieren. Die anderen mahnen angesichts des didaktischen Konzepts von vorgestern.

Interessant ist daher zu beobachten, wie die Anbieter von MOOCs unter einem steigenden ökonomischen Druck versuchen, Erträge aus dem eigentlich freien Bildungsangeboten schlagen:

  • Einige (z.B. Coursera) streben an, sich über kostenpflichtige Weiterbildungsangebote für Unternehmen zu finanzieren.
  • Auch der Verkauf von Lernenden-Daten an Unternehmen ist im Gespräch.
  • Eine aus didaktischer Sicht besonders beachtenswerte Finanzierungsschiene, weil sie den Charakter von MOOCs verändert: Zunehmend versuchen MOOC-Anbieter, zusammen mit einzelnen Universitäten, massgeschneiderte Studienprogramme auf den Weg zu bringen. Ein gutes Beispiel liefert „2U“: Dieser Anbieter stellt in Kooperation mit Partneruniversitäten ganze Semesterprogramme zusammen, die mit Credits belohnt werden. Es handelt sich um eine Mischung aus MOOCs, Online Selbstlernmaterialien, „Präsenzelementen“ wie Virtual Classrooms u.a.m.

„After a year in which the top universities in the world have clambered to offer massive open online courses (MOOCs) for no credit, this new project marks yet another turning point in online education. It is the first known example of top universities offering fully online, credit-bearing courses to undergraduates who are not actually enrolled at the institutions that are offering them. … Upon completion the students will receive the equivalent number of credits — with the institution’s seal of approval. The company and the universities will share any revenue that comes from the project.“ (Quelle: http://www.insidehighered.com/news/2012/11/16/top-tier-universities-band-together-offer-credit-bearing-fully-online-courses#ixzz2ljiAw0N4)

Aus didaktischer Sicht erscheint diese Entwicklung durchaus vernünftig und letztlich auch unvermeidbar: Durch Methodenvielfalt, „persönlichere“ Betreuung und geregeltes Assessment soll die didaktische Qualität der Angebote sichergestellt werden. Einige der Kritikpunkte an MOOCs werden damit aufgenommen (siehe dazu z.B. das Urteil von Rolf Schulmeister).

Allerdings stellt sich im selben Moment die Frage: Sind das noch MOOCs? Die Kurse sind weder „massive“, noch wirklich „open“. Letztlich scheinen die MOOC-Anbieter wie auch die Hochschulen als Partner gerade die Idee von Blended Learning Angeboten wieder zu entdecken, d.h. technologiebasierte Lehre so zu gestalten, dass über methodische Vielfalt und „persönliche“ Interaktionen schliesslich ein konstruktives pädagogisches Klima geschaffen wird. Interessant, dass es  zunächst den MOOC-Hype brauchte, um diese „Innovation“ für Hochschulen attraktiv werden zu lassen.