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Prüfen im Rahmen von Lehrveranstaltungen – zielorientiert und fair

Im Rahmen der turnusmässigen „Mittelbau-Talks“ (MIB-Talk) hatte mich der Vorstand des Mittelbaus der Universität St.Gallen eingeladen, zum Thema „Prüfen“ zu berichten.

Die Qualität von Lehre an Hochschulen ist ja eng mit der Qualität von Prüfungen verbunden. Prüfungen haben eine hohe Wirkungskraft auf das Lernen Studierender. Immer wieder ist auch die Rede davon, dass Prüfungen den „heimlichen Lehrplan“ repräsentieren. Denn: „Wenn etwas nicht geprüft wird, dann wird es auch nicht gelernt“ (Reeves, 2006). Der Kohärenz von Lernzielen, Lernformen und Prüfungsformen kommt daher eine grosse Bedeutung für die Qualität von Lehre zu.

Mein Beitrag fokussierte die zentralen Fragen, die sich Lehrpersonen stellen, wenn sie eine Prüfung zu einer Lehrveranstaltung entwickeln:

  • Wozu prüfen?
    Soll die geplante Lernerfolgskontrolle formativen Charakter haben und auf den weiteren Lernprozess der Studierenden wirken oder geht es darum, im Rahmen einer summativen Lernerfolgskontrolle einen Nachweis zu den erworbenen Kompetenzen zu erbringen?
  • Was prüfen?
    Wie können die Lern- / Entwicklungsziele und die Prüfungsaufgaben in eine gute Passung gebracht werden – insbesondere im Hinblick auf das kognitive Anspruchsniveau? Und wie sollen Lernziele und Themen für eine Überprüfung ausgewählt werden?
  • Wie prüfen?
    Wie hängen die Bearbeitungsform von Prüfungsaufgaben und das erreichbare Anspruchsniveau zusammen?
  • Wie auswerten?
    Welche Form der Beurteilung von Ausführungen zu Prüfungsaufgaben (global vs. analytisch) ist wann sinnvoll? Was sind Anforderungen an eine Musterlösung und ein Bewertungsschema? Und über welchen Bewertungsmassstab sollen schliesslich erreichte Punktbewertungen in eine Note überführt werden?
  • Wie gut prüfen?
    Was sind die zentralen Qualitätsanforderungen an Prüfungen? Inhaltsgültigkeit; Objektivität in der Durchführung und Auswertung; Chancengerechtigkeit; aber auch Prüfungsökonomie.

Hier die Folien zu diesem Beitrag, die diese fünf Grundfragen aufgreifen und vertiefen und am Ende noch ein paar Ideen für das Weiterdenken von Prüfungsformen aufgreifen:

 

Für Diskussion sorgte gegen Ende der Veranstaltung noch der Aspekt der Chancengerechtigkeit und Fairness. Hier stellt sich immer wieder die Frage, ob und wie geringere Sprachkompetenzen bei Studierenden im Austauschsemester oder Studierenden aus dem Ausland bei der Bewertung berücksichtigt werden sollen. Zudem haben wir – zunächst kontrovers – diskutiert, inwiefern es im Sinne der Fairness wichtig ist, dass Lehrpersonen auf kulturelle Besonderheiten Rücksicht nehmen. Hier musste zunächst das Missverstandnis ausgeräumt werden, dass dadurch die Ansprüche an fachliche Inhalte relativiert würden. Lehrpersonen, so der Tenor der folgenden Beiträge, sollten die gestellten Prüfungsaufgaben auch dahingehend reflektieren, ob nicht in unbeabsichtigter Weise kulturspezifisches Wissen die Bearbeitung erleichtern bzw. erschweren kann: etwa wenn bei einer Aufgabenstellung zu einem Business-Case nach Marktchancen gefragt wird für Velo-Flickis (Fahrradreparaturwerkstätten), verschiedene Käsesorten oder konkurrierende Graubündener Wintersportregionen – hier wären ausländische Studierende aus Ländern, in denen wenig Fahrrad gefahren oder Wintersport betrieben wird vermutlich benachteiligt.

Verweise

Reeves, T. C. (2006). How do we know they are learning?: The importance of alignment in higher education. International Journal of Learning Technology, 2(4), 294–309.