Schlagwort-Archiv: Programmentwicklung

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Austausch des Netzwerks Lehre in Bern

Heute war ich eingeladen, unseren Prozess der Curriculumsentwicklung im Rahmen des Treffens des „Netzwerks Lehre“ bei der CRUS vorzustellen.

Da nur zehn Minuten zur Verfügung standen, habe ich auf ein Beispiel fokussiert und unsere Erfahrungen daran erläutert. Mehr dazu ist z.B. in der ZfHE geschrieben. Eine Präsentation dazu ist hier zu finden.

Auch Vertreter der Universitäten Lausanne und Basel sowie der ETH Zürich haben ihre Prozesse vorgestellt. Bei der Universität Lausanne steht zur Zeit insbesondere die Formulierung von Learning Outcomes für alle Studienprogramme im Vordergrund. Die ETH Zürich hat einen umfassenden Prozess definiert, der mit verschiedenen Programmen umgesetzt wird. Im Unterschied zu uns wird dabei das Prozessmanagement – sofern gewünscht – von der dortigen Stelle für Lehrentwicklung komplett übernommen und auch finanziert. Für uns ist es wesentlich, dass das Ownership für die Prozesse direkt bei den Studienprogrammen verbleibt, damit diese kontinuierlich in einem Programmentwicklungsprozess bleiben.

An der Universität Basel ist für neue Studienprogramme ebenfalls ein sehr detaillierter Prozess definiert, an dem sich die Departmente orientieren können, wenn sie ihre Studiengänge weiterentwickeln oder neue Angebote ins Leben rufen wollen. Dabei greift die Universität Basel auf ein ausgebautes SAP-System zurück, welches umfassende Daten zur Studiengangssteuerung liefern soll.

Die vier Beispiele waren sowohl hinsichtlich der umgesetzten Prozesse wie auch mit Blick auf den Umfang der Umsetzung an den Universitäten sehr unterschiedlich. Gleichzeitig konnten verschiedene Gemeinsamkeiten identifiziert werden, die als Zusammenfassung des Workshops dienen sollen:

  • Die Studienprogrammentwicklung startet – aus didaktischer Perspektive wenig überraschend – mit der Zieldefinition, um die Kompetenzorientierung der Studiengänge zu gewährleisten.
  • Für die Zieldefinition und die Gestaltung der Studienprogramme werden verschiedene Stakeholder involviert (insbesondere Lehrende, Studierende, Alumni, Arbeitgeber, Wissenschaft).
  • Wesentlich ist auch die Evaluation der Zielerreichung durch die Einbindung von studienprogrammbezogenen Aspekten in die Evaluation von Lehrveranstaltungen, die Befragung von Alumni und ggf. gesonderten Programmevaluationen.

Die Veranstaltung wurde geschlossen mit einer Analogie zur Metamorphosen von Ovid, da es sich auch bei Curriculumsentwicklungsprozessen um langfristige Veränderungen handelt, die viel Zeit brauchen. In diesem Sinne bleiben wir an diesem Thema weiter dran…

Fraenzi

Volkswirtschaft: Integration von Nachhaltigkeit und Verantwortung an der Universität St.Gallen

Wenn wir keinen Planeten mehr haben, geht es der Wirtschaft nicht gut.“ (Al Gore)

Die Worte des ehemaligen Vizepräsidenten der USA und Friedensnobelpreisträgers 2007 widerspiegeln die soziale Verantwortung von Universitäten für Umweltpolitik und damit für die nachhaltige Existenz unseres Planeten. Genau deswegen wird an der Wirtschaftsuniversität in St. Gallen das Ziel verfolgt, das Konzept der „Nachhaltigkeit und Verantwortung“ ab Herbstsemester 2014 in das bestehende Curriculum des Bachelors BWL zu aufnehmen.
Patrizia Kühner hat bereits von der Überarbeitung der Veranstaltung „Marketing“ bei Prof. Dr. Torsten Tomczak berichtet. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit übernehme ich die Integration in die Pflichtveranstaltungen Mikroökonomik II bei Prof. Dr. Stefan Bühler und in Makroökonomik II bei Prof. Dr. Winfried Königer.

Mittels Literaturrecherche (vorwiegend Artikel aus Journals für ‚economic education‘) sowie Interviews und Gesprächen mit den verantwortlichen Professoren/-innen, Übungsleitern/-innen und betroffenen Studierenden, aber auch mit einer Dozierenden aus Australien habe ich die bisherigen Vorlesungen redigiert und sowohl inhaltliche als auch methodische Ideen gesammelt. Letztere können beispielsweise Case Studies, Diskussionen oder Classroom Games darstellen. Diese allgemeinen Vorschläge werden dann – je nach Auswahl – in Kooperation mit den Verantwortlichen der Veranstaltungen konkret ausgearbeitet.

Das Team des SD-Programms hat das Ziel, die Studierenden zum kritischen und engagierten Denken anzuregen, anstatt zu moralisieren. Darum wird – besonders auch im volkswirtschaftlichen Teil – ein verstärkter Fokus auf die didaktische Dimension gelegt: Durch die Förderung von kritischem Denken, interdisziplinärem Problemlösen und individueller Verantwortlichkeit, soll das (inhaltliche) Konzept der „Verantwortung und Nachhaltigkeit“ auch tatsächlich nachhaltig in Lehren und Lernen implementiert werden. Zum einen wird dadurch eine Übersättigung der Thematik Nachhaltigkeit vermieden. Desweiteren ist eine hinterfragende und vernetzte Denkweise effektiver und beständiger als bloss auswendig gelernte, inhaltliche Aspekte. Und zuletzt können dadurch und in Kombination mit Wissen und Informationen fundiert (neue) Meinungen gebildet und Einstellungen schliesslich geändert werden.

Obwohl man mit dieser Neuerung nicht überall offene Türen einrennt, bin ich – wie Günter Paal – der Meinung, dass „Nachhaltigkeit eine elegante, vielleicht sogar die einzige Methode ist, zu gewährleisten, dass die Menschheit im Spiel bleibt“ und die Universität St. Gallen somit mit diesem Projekt soziale Verantwortung übernimmt und die Gesellschaft stärkt, sodass es unserem Planeten noch lange gut geht.

Gerne berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt über detaillierte Vorschläge und Resultate der Integration von Nachhaltigkeit und Verantwortung in die volkswirtschaftlichen Fächer Mikroökonomik II und Makroökonomik II.

 

 

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Rückblick Sustainable University Day 2014

Am 28.03.14 haben wir als Projektteam am Sustainable University Day teilgenommen. Der erste seiner Art, der folgende Frage zum Thema gemacht hat: Wie kann nachhaltige Entwicklung in der Universität, insbesondere in Studiengängen verankert werden?

Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung nach Bern. Den Auftakt gestalteten fünf Workshops. Unter anderem der von Stephen Sterling und Karl Herweg. Dieser lässt sich unmittelbar mit unserem Projekt an der HSG  verbinden und wird in einem separaten Beitrag von Franziska Burkart vorgestellt.

Den Workshop „How to develop curricula for sustainable development: the case of Business Schools“ gestalteten Taiga Brahm und ich.

Frau Prof. Katrin Muff, Dean der Business  School Lausanne (BSL), eröffnete als Expertin den Workshop. Sie berichtete darüber, wie es gelungen ist, ein Curriculum für Sustainable Development an der BSL zu entwickeln. Eindrücklich war, dass jeder Kurs zu mindestens 10% Inhalte aus den Bereichen Verantwortung und Nachhaltigkeit enthalten muss. Zielführend bei der Implementierung war neben einem zukunftsgerichteten Mission Statement die Prozessgestaltung selbst: Ausgewählte und systematisch zusammengesetzte Teams entwickelten Umsetzungsmöglichkeiten. So konnten überzeugende Best-Practice-Beispiele generiert werden, die mit Hilfe von Peer-Reviews Eingang in den Umsetzungsprozess fanden.

Als vorteilhaft für die Umsetzung beschrieb Frau Muff unter anderem die Rahmenbedingung, dass es sich bei der BSL um eine kleine Hochschule mit vielen Beteiligten aus der betrieblichen Praxis handle, die um die praktische Relevanz von Nachhaltigkeit und Verantwortung wissen. Ausserdem sei das Selbstverständnis der Hochschule als ein Ort, an dem zukunftsrelevante Aspekte diskutiert und bearbeitet werden sollen, relevant für eine erfolgreiche Umsetzung. Eine vergleichbare Zielformulierung hat die HSG vorgenommen. Deshalb schlägt Frau Muff vor, diese noch stärker zu thematisieren, um Lehrende für das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zu gewinnen.

Die Teilnehmenden an der anschliessenden Diskussion zum aktuellen Stand unseren Projekts waren sehr vielfältig: Studierende und Professoren, wie auch Programmverantwortliche von universitären und außeruniversitären Einrichtungen beteiligten sich sehr rege an der Erörterung folgender Fragen:

  • Welche Kompetenzen benötigen wir für Sustainable Development? Inwieweit gibt es hierbei Unterschiede zwischen den Disziplinen? ‒ Erörterte Aspekte waren u.a. fächerübergreifende Kompetenzen, wie systemisches Denken sowie Werthaltungen und -diskussionen.
  • Welche Methoden setzen wir bereits ein, um die Studierenden anzuregen, über nachhaltige Entwicklung vertieft nachzudenken? Welche Rahmenbedingungen sind hierfür notwendig? ‒ Erörterte  Aspekte waren: Veranstaltungsformen, Lehrkompetenzen, Disziplinverständnis und Curriculumsgestaltung, um Themen interdisziplinär von Studierenden bearbeiten zu lassen.

Aus dem Nachmittagsprogramm möchte ich an dieser Stelle das Input-Referat von Herrn Prof. Stephen Sterling  hervorheben. An der Universität Plymouth setzt er sich für eine umfassende Verankerung des SD-Gedankens gemäss dem „4C-Model“ ein, das Franziska Burkart in ihrem Beitrag erläutert. Besondere und zweifache Herausforderung sieht er darin, dass die Einführung und Umsetzung des Sustainable-Developments-Gedankens ein strukturelles und organisationales Lernen bei allen Beteiligten der Hochschule fordert. Das Referat verdeutlichte gut, wie ein Projekt, wie das unsere, einen Beitrag zu einem wesentlich umfassenderen „institutional change process“ einer Hochschule darstellt, der alle universitären  Bereiche tangiert.

Ausblick möchte ich abschliessend auf den folgenden Sustainable University Day geben. Dieser wird im März 2015 an der Universität St. Gallen stattfinden. ‒ Wir freuen uns jetzt schon auf diesen Tag, der Forschenden, Interessierten und Betroffenen von Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule eine vielfältige Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und für Diskussionen gibt.