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Tagungsrückblick: DGfE-Kongress 2014 – Arbeitsgruppe zu Design-Based Research

Der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften stand zum 50-jährigen Jubiläum der DGfE unter dem Motto „Traditionen und Zukünfte“. Ganz im Sinne des Mottos präsentierte ich am Kongress Tobias Jenerts und meinen Beitrag zur Frage „Wie kann über Design-Based Research die wissenschaftliche und praktische Relevanz der Forschung gesichert werden?“. Design-Based Research (DBR) ist ein Forschungsansatz, der die Ziele der praktischen Problemlösung und der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung gleichermassen anstrebt.

Der Vortrag war Teil einer Arbeitsgruppe zu Design-Based Research, die Dieter Euler (Uni St. Gallen) und Gabi Reinmann (ZU Friedrichshafen) organisiert hatten. Ausgangspunkt war ein Beitrag der Organisatoren zu den Potenzialen von DBR für Erkenntnisgewinnung und Praxisgestaltung. Dieter Euler legte zunächst den Begriff DBR aus und erläuterte dabei die wesentlichen Charakteristika von DBR:

  1. Generierung von praktischen Problemlösungen bei gleichzeitiger wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung,
  2. Zusammenarbeit von Forschenden und Praktikern/-innen,
  3. ein zyklischer Forschungs- und Entwicklungsprozess.

Peter F.E. Sloane (Universität Paderborn) hat seinen Beitrag an der Leitfrage „Wie vollzieht sich die Generalisierung von Erfahrungen bzw. die Generierung von Wissen?“ orientiert. Er hat Design Prinzipien in ihren Charakteristika diskutiert und die bedeutsame Frage gestellt: Wo kommen Design-Prinzipien her – wie werden diese generiert?“ Dabei identifiziert er drei mögliche Wege zur Generierung: Intuition, Anwendung von Wissen (Applikation als grundlegendes heuristisches Prinzip) und Ausklammerung (Reduktion) wie in der Phänomenologie. Er stellt letztlich fest, dass diese Zugänge in anderen wissenschaftlichen Disziplinen (wie Philosophie, Theologie) durchaus genutzt werden, während sie in den Erziehungswissenschaften momentan kaum Anwendung finden. Es bleibt offen, wie Design Prinzipien zu generieren sind.

Isa Jahnke (Universität Umeå) hat anhand eines Projekts zur Online-Unterstützung von Lehre dargestellt, wie DBR konkret durchgeführt wurde und wie viel Interaktion jeder Entwicklungszyklus umfasste. Interessant war, dass sie und ihre Kollegen/-innen als Auswertungsmodell die SeeMe-Methode (Herrmann, 2008) genutzt haben, um die Erkenntnisse aller Beteiligten offen zu legen. Allerdings besteht dabei eine Herausforderung in der Rolle des Forschenden, der diese Modellierungsprozesse reguliert.

In unserem Beitrag gehen wir schliesslich darauf ein, wie über den zyklischen Prozess von DBR einen Beitrag zur wissenschaftlichen Gültigkeit und zur praktischen Relevanz geleistet werden kann. Wir nutzen das Konzept der multiplen Signifikanzen (Leech und Onwuegbuzie, 2004) aus der Mixed-Methods-Forschung und wenden diese auf ein Forschungsprojekt zur Resilienzförderung in Brückenangeboten an.

Die Diskussion der Beiträge war sehr lebendig und wir konnten viele Aspekte zum Weiterdenken mitnehmen… Unsere methodologische Diskussion zu DBR geht also sicherlich weiter 🙂