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Verantwortliche Führungskräfte entwickeln – Methode des Collaboratory

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Im Journal for Management Development ist kürzlich ein Special Issue zur „2013 EFMD annual conference: promising directions in management education and new prospects” erschienen. In diesem hat Katrin Muff, Dean an der Business School Lausanne (BSL), einen Beitrag unter dem Titel „Developing globally responsible leaders in a business school“ veröffentlicht.

Der Beitrag ist nicht nur für die Hochschulentwicklung an einer Business School wie der Universität St. Gallen interessant, sondern durch die Einführung einer neuen Methode auch für andere Hochschulen und Disziplinen.

Den Ausgangspunkt des Artikels bilden die ökologischen Herausforderungen, die uns in der näheren Zukunft erwarten und die daraus abgeleitete Konsequenz, dass sich die Wirtschaft an langfristigeren Zielen und neuen Regeln ausrichten muss. Die Autorin stellt die berechtigte Frage:

„What does this mean for business schools and management education at large?“ (S. 488)

Als Zielhorizont weist sie die 50+20-Agenda aus, die eine Vision für die zukünftige Gestaltung der Management Education beschreibt. „The 50+20 Vision can be interpreted as a critique of the existing system of business education“ (S. 489). Hinsichtlich der Management Education postuliert die Vision das Ziel, dass Studierende zu verantwortlichen Führungskräften ausgebildet werden. Dabei sehen sie die Herausforderung weniger darin, Wissen zu entwickeln, sondern komplexe transdisziplinäre Probleme zu lösen sowie mit anderen Personen zusammenzuarbeiten. Diese Problemanalyse schliesst ein, dass die bisherige Management-Ausbildung sich von ihrem Fokus auf das Fachwissen abkehren muss. Die Autorin sieht dafür drei mögliche Wege:

  • transformatives Lernen mit dem Fokus auf die Persönlichkeitsentwicklung und dem Ziel der persönlichen Verantwortlichkeit jedes einzelnen
  • ,issue-oriented learning‘, d.h. die Bearbeitung zukünftiger Herausforderungen verlangt eine transdisziplinäre, systemische Herangehensweise. Diese kann am besten erreicht werden, indem das Lernen nicht um Fächer oder Disziplinen, sondern mit Bezug zu bestimmten Gegenstände organisiert wird
  • reflektierte Praxis: Praxiserfahrung soll durch Reflexion flankiert werden, um die Praxiserfahrung hinsichtlich der Entwicklung zu verantwortlichen Führungspersonen auszuwerten und um die Fähigkeit zur Selbst-Reflexion auszubilden.

Als mögliche Methode zur Umsetzung dieser drei Wege stellt Katrin Muff die Methode des Collaboratory vor, das sich historisch von den technologiebasierten Forschungs-Collaboratories ausgehend entwickelte. Ziel ist, einen Raum für die Lernenden zu schaffen, in dem sie sich auf sicherem Terrain austauschen können. Im Collaboratory werden partizipative Lernmethoden, ,appreciative inquiry‘, ganzheitliches Lernen, bewusstseinsbildende Methoden und selbstgesteuertes Lernen angewendet. Damit geht der Ansatz über das häufig in der Management-Ausbildung verwendete Fallstudien- oder erfahrungsbasierte Lernen hinaus.

„The collaboratory is a place where people can think, work, learn together and invent their respective futures“ (S. 495).

An der Universität St. Gallen führte Katrin Muff zusammen mit Thomas Dyllick bereits ein Collaboratory im Rahmen eines Kurses durch. Die Auswertung dieser Erfahrungen verspricht spannend zu sein.