Kategorie-Archiv: Verantwortungsvolle Führung

PortraitStreamer

Workshop zur Integration von Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Lehre an der HWZ

Am 21.03.2016 war ich von der Hochschule für Wirtschaft Zürich eingeladen, um einen Workshop für Dozierende im Rahmen des Weiterbildungsangebots zu gestalten. Zusammen mit 18 TeilnehmerInnen haben wir den Abend über erörtert, wie Verantwortung und Nachhaltigkeit inhaltlich und didaktisch in individuelle Lehrveranstaltungen integriert werden können.

V&N in der Lehre 2

Ausgangspunkt der Diskussion ist die Unterzeichnung der PRME-Prinzipien durch die HWZ. Nach einem einführenden Austausch über bisherige Erfahrungen wie auch Fragen zum Thema, wurden die Prinzipien und damit verbundene Begrifflichkeiten sowie ihre Ansprüche und Kontexte (Hochschule, Lehre, Management-Ausbildung) von mir aufgezeigt.

In dem Workshop konnte ich vor allem unsere Integrationsoptionen und -erfahrungen hierzu aus unserem HSG-Projekt mit den TeilnehmerInnen teilen: Das sind Erfahrungen auf der institutionellen und curricularen Ebene, aber auch – und das war das Hauptanliegen des Abends – auf der konkreten didaktischen Ebene. Ziel von methodisch-didaktischen Entscheiden bei der Integration von Verantwortung und Nachhaltigkeit soll die kritische Auseinandersetzung mit Inhalten, das interdisziplinäre Problemlösen wie auch eine individuelle Verantwortlichkeit sein. Hierzu konnte ich konkrete Unterlagen, Prinzipien zur Gestaltung der Lernumgebung und Methoden exemplarisch vorstellen (siehe auch unser SD-Toolkit).

Die TeilnehmerInnen hatten daraufhin Zeit eigene Ideen zu entwickeln und zu diskutieren. Dieses Angebot wurde sehr ausführlich genutzt und es kam zu konkreten Integrationsideen wie auch regen Diskussionen dazu. Vor allem der fächerübergreifende Austausch (hier saßen Soziologen, Juristen, Betriebswirte u.a. nebeneinander) wurde sehr geschätzt. So konnten wir die Idee der Interdisziplinarität gleich konkret für eine Lehrinnovation nutzen! 🙂 − Ideen der Kolleginnen und Kollegen wurden kritisch erörtert und konnten auch als Orientierungsbeispiel für andere dienen, wie Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Lehre ihren Platz finden kann.

Mir hat es viel Freude gemacht, mit unseren Projektergebnissen den Diskurs über die Integration von Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Lehre weiter zu tragen und mit erfahrenen Dozierenden darüber ins Gespräch zu kommen, die meist auch selbst unmittelbar in einem unternehmerischen Kontext beschäftigt sind.

Für die Umsetzung der Ideen, die in dem Workshop entstanden sind, wünsche ich den Kolleginnen und Kollegen gutes Gelingen! Ich würde mich sehr freuen, auch auf dieser Plattform über Integrations- und konkrete Lehrerfahrungen ins Gespräch zu kommen! Kommentare sind also herzlich willkommen!

PortraitStreamer

Rückblick auf unseren Workshop am Sustainable University Day 2015 an der Universität St.Gallen

Beim Sustainable University Day 2015 zum Thema „Responsible Leadership“ durften Taiga Brahm, Cécile Schmid und ich gemeinsam einen Workshop gestalten. Aufgrund unserer Erfahrungen im Projekt zur Integration von Verantwortung und Nachhaltigkeit (V&N) im Bachelor BWL  haben wir als eine übergeordnete Herausforderung die „Motivation von Dozierenden“ aufgegriffen.

Nach einer Einführung durch Taiga Brahm berichteten die beiden Studentinnen Cécile Schmid und Vanessa Da Costa aus ihrer Perspektive vom aktuellen und unterschiedlichen Stand der Integration von V&N in der Lehre der HSG und gaben damit Impulse für den weiteren Workshop. Als Ausgangspunkt diskutierten die knapp 25 Teilnehmenden von mehr als 10 Hochschule in der Schweiz die Herausforderungen bei der Motivation von Dozierenden für die Integration von V&N in die Lehre. Die Ergebnisse konnten nach institutionellen Herausforderungen (bspw. vorgegebene Programmziele, keine Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit), didaktischen Herausforderungen (bspw. Verankerung in einzelnen Disziplinen, fehlende didaktische Konzepte bzw. Methoden zur Umsetzung in der Lehrveranstaltung) sowie individuellen Herausforderungen (bspw. Interesse am Thema Verantwortung und Kompetenzen im Themenfeld) gegliedert werden. In einem World-Café diskutierten wir anschliessend folgende drei Fragen. In der Diskussion konnten wir uns über konkrete Beispiele an verschiedenen Hochschulen sowie zu allgemeineren Wünschen und Ideen dazu austauschen, von denen exemplarisch einige zentrale Punkte genannt sind:

Von welchen “good practice” -Beispielen zur Integration von V&N in das Curriculum können wir den Lehrenden berichten? ‒ Dazu kamen konkrete Ideen, wie eine Einführung zu den Themen V&N, die in einzelnen Vorlesungen Studierenden und Lehrpersonen zusammen vorgestellt wird, authentische case studys oder Rechercheaufträge an Studierende, in einem Fachbereich selbst Beispiele der Umsetzung von V&N zu finden. Als weiteres good practice-Beispiel wurden Hospitationen mit gegenseitigem Feedback durch Lehrende genannt. Für die Kommunikation werden Netzwerke oder Workshops für Dozierenden zum Austausch von Ideen und Diskussion von Herausforderungen als sinnvoll erachtet.

Welche Faktoren könnten Lehrende veranlassen, V&N-Aspekte in das Curriculum zu integrieren? ‒ Die antreibenden Faktoren können in drei Bereiche aufgeteilt werden: Erstens gehören dazu Anreize von Seiten der Hochschule wie die Auszeichnung von (Lehr-)Projekten im Bereich V&N sowie deren Kommunikation bzw. „Sichtbarmachtung“ innerhalb der gesamten Hochschule. Zweitens können Veränderungen in der Rekrutierung und Förderung von Lehrenden institutionelle Anreize setzen. Drittens ist es notwendig, dass auch das Interesse der Studierenden an V&N gefördert wird, indem beispielsweise die praktische Relevanz von V&N in Unternehmen und Organisationen herausgestellt wird.

Bild für Blog

Welche Unterstützungsangebote (Massnahmen, Werkzeuge oder Ideen) für Lehrende sind zur Integration von V&N erforderlich? ‒ Zu dieser Frage wurde uns über die Entwicklung von Guidelines für Lehrende berichtet. Konkrete Ansprechpartner für didaktisch-methodische Fragen, aber auch solche aus der Praxis könnten ebenfalls eine Unterstützung für Lehrende sein. Die Relevanz der Akzeptanz der Experten/-innen bei den Lehrenden wurde dabei herausgestellt. Die Initiierung eines Netzwerks oder die Gestaltung von Workshops mit dem Ziel, sich über fachliche wie auch methodische Fragen mit den geeigneten Experten/-innen und Erfahrungsträgern auszutauschen, könnte eine Maßnahme sein. Positive Anreize wie Zeit für oder Freiheiten und Ressourcen bei der Konzeption von innovativen Lehrveranstaltungen werden ebenfalls als unterstützend wahrgenommen.

Die genannten beispielhaften Erkenntnisse aus den Diskussionen lassen sich nun im Nachgang mit der existierenden Literatur um Motivation von Lehrenden im Zusammenhang mit V&N verknüpfen. Wir haben uns über das große Interesse an unserem Workshop und über den vielfältigen Austausch gefreut und möchten uns an dieser Stelle bei allen Teilnehmenden herzlich dafür bedanken!

Leaders Forum – Sustainability Conference Day 1

Das Leaders Forum hatte zum Ziel, Leaders aus Unternehmen, NGOs, öffentlichen Organisationen, Social Enterprises, Universitäten und der Öffentlichkeit zusammenzubringen, um gemeinsam die Global Sustainability Agenda zu diskutieren, zu hinterfragen und zu verändern. Die zweitägige Nachhaltigkeitskonferenz war definitiv eines meiner absoluten Highlights der diesjährigen HSG Agenda, weshalb ich Ihnen nun gerne davon berichten werde.

Der erste Tag der Sustainability Conference in St. Gallen stand unter dem Motto „Inspiration from Pioneers“. Rund 340 Teilnehmende aus aller Welt haben am Freitag, 6. Februar früh morgens und bei eisigen Temperaturen den Weg nach St. Gallen angetreten, um sich von den Pionieren der Nachhaltigkeit inspirieren zu lassen. Die Liste der Gastredner las sich wie die Crème de la Crème der Nachhaltigkeitsbewegung: IKRK-Generaldirektor Yves Daccord, Präsidentin des World Wide Fund For Nature (WWF) Yolanda Kakabadse, Bundesrätin Doris Leuthard, Fair Trade USA CEO Paul Rice, Vorsitzender des Instituts für Freiheit und Demokratie Hernando De Soto – um hier nur einige der schillernden Namen zu nennen. Die 20 eingeladenen Gastredner aus verschiedensten Bereichen teilten mit dem Publikum ihr Wissen, ihre Visionen und insbesondere ihre Leidenschaft für ökologische und soziale Themen. Einige der Beiträge der Referenten möchte ich nun kurz Revue passieren lassen:

Bundesrätin Doris Leuthard erinnerte an die ökologischen und sozialen Herausforderungen, welchen wir alle entgegentreten müssen und ermahnte die Zuhörer „If you wish for a better world for your children, there is no other way than the way of sustainability“. Zum Abschluss bat sie dann insbesondere die Studierenden nicht aufzuhören, eigene Ideen einzubringen, um die Politiker von heute auf dem Weg zu unterstützen.

WWF Präsidentin Yolanda Kakabadse beeindruckte mit einer persönlichen Rede über ihren eigenen Entwicklungspfad und erklärte zum Schluss, dass der Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung die Vereinigung unser aller Kräfte sei.

Norine MacDonald, Präsidentin des International Council on Security and Development (ICOS) sprach zum Thema „Youth at Risk“ in Afghanistan und erklärte, wie es ihrer Organisation gelingt, die junge Menschen von Drogenkartellen und terroristischen Organisationen zu schützen. In der anschliessenden Diskussionsrunde wurde Norine MacDonald dann auch die offensichtliche Frage gestellt: Warum in aller Welt haben Sie sich als junge, blonde, kanadische Anwältin gerade für den Einsatz in einem Krisengebiet wie Afghanistan entschieden, wenn Sie auch den einfachen Weg hätten gehen können?

IKRK-Direktor Yves Daccord ermahnte das Publikum, dass wir in der heutigen Welt viele Herausforderungen gleichzeitig meistern müssen. Seine Keybotschaft: „Think about the AND!“

Michael Green (CEO Social Progress Imperative) hinterfragte die gängige Methode, Fortschritt einzelner Staaten mit dem BIP zu messen. Er erklärte, dass mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar die wirtschaftliche Entwicklung gemessen wird, jedoch der Bezug zur Zufriedenheit und Wohlfahrt einzelner Bürger fehlt. Oder würden Sie behaupten, dass sich durch die erhöhte Produktion von Waffen und Bomben – was zu einem höheren BIP führt – auch die Wohlfahrt der Bürger steigert? Er führte den sogenannte Social Progress Index (SPI) ein, welcher die reale Lebensqualität der Menschen misst. In einem erstaunlichen Vergleich zeigte er die Unterschiede zwischen den Messungen des BIPs und dem SPI. Wussten Sie, welches Land gemäss dem SPI weltweit am besten dasteht? Nein? Ich auch nicht – es ist Neuseeland. Aber keine Sorge, die Schweiz und Deutschland spielen auch in den oberen Rängen mit. Dieser Index liefert den Regierungen verschiedener Länder eine wertvolle Orientierung, wie sie ihre Prioritäten richtig setzen, um ihre Bürger nicht nur reicher, sondern eben auch glücklicher zu machen.

Zum Schluss erzählte Hernando De Soto, Vorsitzender des Instituts für Freiheit und Demokratie, wie er gemeinsam mit Stephan Schmidheiny den Krieg und Terrorismus in Peru besiegen konnte und welche Parallelen zu den heutigen Ereignissen im Nahen Osten gezogen werden können.

Ein wahrhaft inspirierender Tag! Die Zuhörer wurden mit vielen unglaublich ergreifenden Referaten an die vor uns allen liegende Herkulesaufgabe erinnert und dazu inspiriert, gemeinsam Lösungen zu suchen und zu finden.

PortraitStreamer

Rückblick DocNet-Symposium „Business School 2030“

Am 10.10.2014 habe ich an dem 12. DocNet-Symposium zu dem Thema „Business School 2030. Tailor-made responsible leaders or mass-produced corporate slaves?“ teilgenommen.

Die Keynote Speakers waren vielfältig, was eine kontroverse Darstellung der Herausforderungen und Möglichkeiten für Business Schools der Zukunft vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an zukünftige Führungspersönlichkeiten in einer zunehmend komplexen betrieblichen und sozialen Umwelt ermöglichte. Die Keynotes beinhalteten konkrete Bilder eines zukünftigen Business School-Absolventen und mehr oder weniger konkretisierte Wege dorthin:

Prof. Dr. Thomas Dyllick sprach zu seinem Buch „Management Education for the World“, eingeleitet durch den dazugehörigen Film. Seine wesentlichen Forderungen lassen sich mit den „3E´s“ zusammenfassen: „educating and devoloping global leaders“, „enabling organizations to serve the common good“ und „engaging in the transformation of business and economy“. Eine methodische Umsetzung ist das “Collaboratory”.

Dany Kielholz von KSP stellte die Idee seiner Marketing-Agentur vor, Nachhaltigkeit als neue Dimension in Kommunikation und Markenführung zu nutzen. Zwei zentralen Thesen waren, dass es einen Wertewandel gibt und dass der Leitgedanke „green, clean, fair, true & sexy“ die eigene Identität der Agentur sowie die ihrer Dienstleistungen spiegelt. Sein Beispiel eines coop-Werbespots, zeigt bspw., wie das Thema in der Kommunikationspolitik aufgegriffen werden und damit vor allem eine emotionale Ansprache des Publikums erfolgen kann.

– Karin Sahr von Ernst & Young gab einen Einblick in die Beratungspraxis: Sie arbeitet mit der an der Universität St.Gallen entwickelten Public Value Scorecard. Ausschlaggebend bei der Beratung von Unternehmen ist besonders deren „readiness“ für das Thema „public value“, was wesentlich von der wirtschaftlichen Lage und den Einstellungen der Führungspersönlichkeiten abhängt (nach dem Motto: „Können und wollen wir uns das leisten?“). Aus ihrer Arbeit zieht sie ein metaphorisches Fazit (angelehnt an die Antithese von Isaiah Berlin), dass Business Schools mehr „Füchse“ anstatt Igel ausbilden sollten: Im Gegensatz zum Igel, der einer Logik folgt, kann der Fuchs mit unterschiedlichen Perspektiven umgehen und damit in einer zunehmend komplexen Wirtschafts- und Umwelt bestehen. Hierzu muss der Fuchs in seiner Ausbildung verschiedene Perspektiven und Tools kennenlernen.

Prof. Matt Stattler von der NYU Stern referierte darüber, wie „practical wisdom“ anstelle von reiner Wissenschaft i.S. einer wissensbasierten Theorie an einer Business School gelernt werden kann. Zum einen ist es wichtig, Wissenschaft nicht als „amoralisch“ und damit Ethik nicht als einen Zusatz anzusehen. Zum anderen sollten auch Empathie oder emotionale Intelligenz durch reflexive Auseinandersetzungen mit einem Thema sowie praktische Lerngelegenheiten gefördert werden.

– Gary Steel, früherer Verantwortlicher für das globale HR bei ABB, sprach über die Anforderungen künftiger Führungskräfte: mit Komplexität in Entscheidungsprozessen umgehen, Dilemmas ergründen und ethische Fragestellungen beantworten. Zukünftige Führungskräfte zeichnen sich seiner Meinung nach deshalb insbesondere durch folgende Merkmale aus: kritisch sein, Mut haben, neugierig und empathisch sein. Simulationen sind für ihn das passende Vehikel der Lehre.

Der Punkt, den ich in diesem Beitrag zur Diskussion stellen möchte, ist, dass die verbalen und medialen Beiträge mit werthaltigen Begrifflichkeiten und Vorstellungen von zukünftigen Führungskräften und den Hochschulen, an denen sie ausgebildet werden, aufgeladen waren: engagment, empathy, fairness, courage usw. – Begriffe, die insbesondere Einstellungen adressieren und Emotionen wecken.

Emotionalität kann – wie beim Marketing-Beispiel ‒ sicher Türöffner für Themenbereiche wie „Verantwortung“ oder auch „Nachhaltigkeit“ sein, kann aber auch Türen zufallen lassen, wenn der (oftmals nicht intendierte) Eindruck erweckt wird, den „moralischen Zeigefinger“ heben zu wollen. Das ist sicher eine relevante Herausforderung im Diskurs um Business Schools im Jahr 2030.