Kategorie-Archiv: hochschulentwicklung

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Didaktik an Fachhochschulen: Selbstorganisiertes Lernen

Am 25. Juni 2014 durfte ich als Gastreferent bei der Veranstaltung „Didaktik an Fachhochschulen: Selbstorganisiertes Lernen“ der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil dabei sein. Franziska Zellweger von der PH Zürich (und ehemals Leiterin unseres Teams!) sowie Dominique Herren von der FH in Bern waren ebenfalls als externe Referenten geladen. Ergänzt wurden unsere konzeptionellen Beiträge von Beispielen und Reflexionen aus der ZHAW selbst.

(Für mich) spannendster Teil des Tages war eine Posterpräsentation am Nachmittag. Hier zeigten Lehrende aus unterschiedlichen Departements und Studiengängen Ihre Konzepte zur Umsetzung selbstorganisierten Lernens an der ZHAW. Das war nicht nur inhaltlich richtig interessant – viele der Konzepte waren aussergewöhnlich gut durchdacht und didaktisch innovativ umgesetzt; besonders beeindruckt haben mich die Mühe und das Engagement, mit denen die Lehrenden ihre Projekte für die Präsentation aufbereitet und präsentiert haben.

Meine Präsentation zeigt insofern einen – aus meiner Sicht vergleichsweise weniger spannenden – Teil des Tages.

Eine Herausforderung, die mir zum wiederholten Male über den Weg lief, ist die Passung auf den Kontext Fachhochschule. Speziell in Bezug auf lernkulturelle Unterschiede zu Universitäten sind mir kaum Forschungsarbeiten bekannt. So begnügt man sich mit recht naiven Hinweisen darauf, dass die Lehre an Fachhochschulen einen vergleichsweise höheren Stellenwert hat und die Dozierenden  in der Regel einen unmittelbareren Praxisbezug mitbringen dürften. Alles in Allem – und das sieht man auch in meiner Präsentation – fehlt es aber an systematischen Einsichten, um Konzepte wie selbstorganisiertes Lernen auf die Spezifika von Fachhochschulen anzupassen. Gespräche mit verschiedenen Teilnehmenden zeigten, dass auch die Fachhochschullehrenden selbst nicht genau benennen können, was das Spezifische ihrer Institution darstellt. Hier ist also Raum, um beispielsweise das Konzept der Lehr-/Lernkulturen an Hochschulen organisationsspezifisch aufzuarbeiten und empirisch zu erfassen.

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Besuch der ICED 2014 in Stockholm

Wie im Beitrag von Taiga Brahm bereits erwähnt, stellt dieser Blogpost meine eigenen Eindrücke und Erfahrungen im Rahmen meiner Posterpräsentation (Poster_ICED 2014) bei der ICED in Stockholm am 17. Juni 2014 in den Vordergrund.

Ein paar Worte zum Setting der Posterpräsentationen vorab: Leider etwas ungünstig gewählt war, dass die Poster parallel zu über zwanzig weiteren Vorträgen und Workshops an nicht sehr exponierten Orten präsentiert wurden. Der inhaltliche und persönliche Zugewinn zahlreicher informeller Zwiegespräche bei einer Postermesse gingen so nahezu verloren. Die Teilnehmenden der Posterpräsentationen waren hauptsächlich die Inhaber der anderen Poster im Zeitfenster, was zum Nachteil hatte, dass ein Gros der Teilnehmenden hauptsächlich wegen ihrer eigenen Präsentation und weniger aus Interesse an anderen Posterinhalten zugegen waren. Bei der Postersession wurden jeweils 13 Poster in einem 5minütigen Kurzvortrag präsentiert. Fragen und Diskussionen sollten in dieser Zeit bereits beinhaltet sein.

Mein Poster (alle Poster werden zu einem späteren Zeitpunkt auch auf der Homepage der ICED veröffentlicht) verschafft einen Überblick über die mit unserem neuen Faculty Development verknüpfte Forschungsarbeit im Rahmen meiner Dissertation. Die Entwicklung von lehrbezogenen Einstellungen – zusätzlich zur Frage der didaktischen Gestaltung der Lehre, die häufig das alleinige Ziel hochschuldidaktischer Angebote darstellt – stehen im Zentrum meiner Forschung. Insgesamt wird das Ziel verfolgt, ein ganzheitliches Faculty Development zu schaffen, indem die individuelle Ebene (z. B. die lehrbezogenen Einstellungen der Lehrenden), die pädagogisch-interaktionale (z. B. der Methodenreichtum einer Lehrperson) und auch die organisationale Ebene (z. B. die Schafffung einer unterstützenden physischen Lernumgebung) angesprochen werden. Die Möglichkeit der Adressierung lehrbezogener Einstellungen mittels hochschuldidaktischer Angebote wurde bereits in früheren Blogbeiträgen aufgenommen. Eine höhere Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der hochschuldidaktischen Aus- und Weiterbildung stellt das langfristige Bestreben der Konzeptentwicklung dar.

Um die lehrbezogenen Einstellungen erheben zu können, werden Metaphern eingesetzt. Hierbei sind die Teilnehmenden am Zertifikatsprogramm gefordert, einen bildhaften Vergleich für ihre Lehre bzw. ein Idealbild der Lehre zu finden. Mit Hilfe des Metaphernvergleichs wird versucht, vertiefte Erkenntnisse zu impliziten Einstellungen zu erhalten und diese Bilder gleichzeitig als Reflexionsvehikel sowie als Diskussionsgrundlage verwenden zu können.

Trotz der nicht ganz glücklich organisierten Posterpräsentation konnten einige interessante Hinweise und Anregungen aufgenommen werden. Insbesondere wertvoll erschienen Verweise auf ähnliche Erhebungsmethoden für implizite lehrbezogene Einstellungen: u. a. von Björn Kiehne aus Berlin, der in seiner kürzlich eingereichten Dissertation lehrbezogene Einstellungen mittels dem Malen von Bildern erhoben hat. Auf den geplanten Austausch bin ich sehr gespannt!

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ICED 2014 – Konferenzrückblick zu den Übergängen Studierender

Mit drei Personen (Marion Lehner, Tobias Jenert, Taiga Brahm) war das Team Hochschulentwicklung bei der diesjährigen Konferenz des International Consortium for Educational Development (ICED) in Stockholm vertreten. Die Resonanz war mit 650 Teilnehmenden riesig und auch die Anzahl und Vielfalt der angebotenen Sessions beeindruckend. Angestossen durch die Keynote von Sari Lindblom-Ylänne wird sich dieser Blog-Post dem Thema der Übergänge von Studierenden von der obligatorischen Schule in die Hochschule widmen. In der Keynote wurden – wie für dieses Format üblich – in einer Tour d’Horizon verschiedene Studien zu den Herangehensweisen von Lehrenden an die Lehre (‚teaching approaches‘) bzw. der Studierenden an das Studieren (‚learning approaches‘) vorgestellt. Dabei wurde in einer Studie von Halikari, Kords-Freudinger und Postareff (in Vorbereitung) ein Zusammenhang zwischen negativen Emotionen von Studierenden (während der Übergangsphase besonders häufig bei Studierenden anzutreffen) und der Nutzung von oberflächlichen Herangehensweisen an das Lernen (‚surface approaches‘) festgestellt. Nicht überraschend, aber dennoch zu bemerken ist der Zusammenhang zwischen negativen Emotionen und einem geringeren Studienerfolg. Eine andere Studie beschäftigte sich mit dem studentischen Dauer-Thema der Prokrastination, d. h. der willentlichen Verzögerung einer an sich angestrebten Aktivität (Klingsieck, 2013). Es konnten drei Typen von Prokastination unterschieden werden:

  • strategische Prokastination, bei der sich die Studierenden durch positive Selbstevaluation, starke Selbstwirksamkeitserwartungen und gute Selbstregulation auszeichneten. Deren langsames Vorankommen im Studium war selbst gewählt.
  • Studierende mit Selbstregulationsproblemen, deren Erfahrungen mit dem Studium im Hinblick prinzipiell positiv sind (thematisches Interesse), die aber Probleme mit dem eigenen Zeitmanagement haben. Es besteht also eine Lücke zwischen den eigenen Absichten und deren Umsetzung.
  • tatsächliche Prokastination, bei der die Studierenden durch negative Emotionen, geringe Selbstwirksamkeit und einer Abnahme von Motivation und Interesse charakterisiert werden können.

Die letzte Gruppe der Prokastinierenden ist offensichtlich stark gefährdet, das Studium nicht abzuschliessen. Auf Basis der Studienergebnisse kann überlegt werden, wie – gerade in stark abbruchgefährdeten Studiengängen – Studierende zu Beginn des Studiums unterstützt werden können, damit sie aus einer Phase der Prokastination (die prinzipiell normal ist) wieder herauszufinden.

In einem Paper-Beitrag von Elke Bosse, Carolin Trautwein und Konstantin Schultes (in Vorbereitung) von der Universität Hamburg wurde mittels „critical incident technique“ angestrebt, die kritischen Anforderungen an Studierende im ersten Studienjahr zu identifizieren. Die vielfältigen Anforderungen wurden in vier Arten gruppiert:

  • inhaltliche Anforderungen, z. B. wissenschaftliches Arbeiten, Prüfungsanforderungen herausfinden;
  • persönliche Anforderungen wie das Arbeitspensum bewältigen, mit Misserfolgen umgehen;
  • soziale Anforderungen, z. B. in Teams zusammenarbeiten, mit Lehrenden interagieren; und
  • administrative Anforderungen, z. B. Informationsdienste nutzen, Pflicht- und Wahlkurse belegen.

Erste Auswertungsergebnisse zeigen, dass aus Studierendensicht die persönlichen und administrativen Hürden am stärksten ausgeprägt sind und dass die Einschätzungen von Seiten der Lehrenden davon insofern abweichen, als dass dort die administrativen Hürden bei weitem im Vordergrund stehen.

Insgesamt war es interessant zu sehen, dass dieses wichtige Thema nicht durchgehend präsent war. Auch wir selbst waren mit unseren Beiträgen eher in den Bereichen der strategischen Hochschulentwicklung vertreten, wie Marion Lehner und Tobias Jenert berichten werden. Das Rahmenprogramm war mit einem Besuch des Vasa-Museum und einem Abendessen in unmittelbarer Nähe zum beeindruckenden Schiff ebenfalls sehr anregend.

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Hochschulentwicklung on Tour: Mission Lehre hoch n-Kolleg

Heute mal ein Live-Reisebericht von hochschulentwicklung.ch aus Berlin auf Mission Lehre hoch n-Kolleg. Seit Februar sind wir auch in die Begleitforschung des fachdidaktischen Programmteils von Lehre hoch n, dem Kolleg „MathIng“ involviert. Dabei trafen sich sechs Teams aus verschiedenen Hochschulen in Deutschland und Österreich, um Konzepte zur Verbesserung der Mathematikkompetenzen von Studienanfängern/-innen in der Ingenieursausbildung auszutauschen und weiterzuentwickeln.

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Im Rahmen der Begleitforschung stehen nun Vor-Ort Besuche an den sechst Hochschulstandorten – Aachen, Berlin, Bochum, Hamburg, Wolfenbüttel und Wien – an. Allen Projekten gemein ist, dass sie sich zum Ziel gesetzt haben, die Erfolgsquoten in den mathematischen Grundlagenveranstaltungen verschiedener ingenieurswissenschaftlicher Studiengänge zu erhöhen. Letztlich wollen sie damit auch einen Beitrag zur Verringerung der Abbrecherquoten in den Ingenieurswissenschaften insgesamt leisten. Nachdem letzte Woche das Projekt „Themenwochen zur Verknüpfung von Mathematik, Elektrotechnik und Physik“ der HAW Hamburg auf dem Reiseplan stand, berichte ich heute live aus Berlin. Beim Besuch von Dr. Katherine Roegner an der TU Berlin ging es heute um das Projekt Uni Plus, das Studienanfänger/-innen mit multimedial aufbereiteten Lernmaterialien und Tutorienkonzepten bei der Bewältigung der Mathematikveranstaltungen unterstützt. Warum der Aufwand der Vor-Ort-Besuche? Der Begleitforschung geht es nicht nur darum, die Konzepte und deren Weiterentwicklung im Rahmen des Kollegs nachzuvollziehen. Vielmehr soll ganz bewusst die Genese der einzelnen Projekte an ihren jeweiligen Hochschulen in den Blick genommen werden. Dazu gehören insbesondere hemmende und förderliche Rahmenbedingungen, institutionelle Konstellationen und „Critical Incidents“. Die Besuche helfen, ein vertieftes Verständnis dieser Konstellationen vor Ort zu entwickeln. Daneben ist es natürlich unglaublich spannend, Einblick in so viele unterschiedliche Hochschulen und Projekte zu bekommen – nicht zuletzte in einer Disziplin, die doch recht weit von der eigenen entfernt liegt. Und morgen geht’s  weiter nach Bochum.

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An der TU Berlin gibt es sogar ein Fest der Mathematik

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Und dann noch etwas Sightseeing am Abend.

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Dozierendentagung an der HSG

Letzte Woche fand die erste Dozierendentagung der HSG statt. Auf Initiative des Mittelbaus wurde ein Format gesucht, an dem sich alle Dozierende der Universität, d.h. Professoren/-innen, Nachwuchslehrende und Lehrbeauftragte über strategisch relevante Themen austauschen können. Thema der ersten Dozierendentagung war die „Zukunft der Lehre an der HSG“ und so lag es nahe, dass ich die Konzeption und Organisation übernommen habe.

Nach einer Begrüssung durch die Prorektorin, Prof. Ulrike Landfester, hat Prof. Dieter Euler dann die vergangenen lehrbezogenen Veränderungsinitiativen seit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge Revue passieren lassen und die treffende Frage gestellt, welche Art von lehrbezogenen Innovationen wir uns zukünftig an der HSG wünschen. Dabei unterschied er in Analogie zum VW Golf, dass wir nur den „Lack“ oder die Motorisierung verändern oder auf ein gänzlich anderes Transportmittel umsteigen könnten. Mit diesem Bild im Kopf teilten sich die Teilnehmenden auf drei Workshop auf:

  1. Rethinking Business Education (Jörg Metelmann): zur Vorstellung eines Projekts zur Integration von Geistes- und Sozialwissenschaften in das Kern-Curriculum
  2. Intensive Teaching and Learning (Tobias Jenert & Dieter Euler): Workshop zur Zukunft von lehrbezogenen Innovationsprojekten an der HSG
  3. Faculty Development (Marion Lehner & Taiga Brahm): Vorstellung des Konzepts und Reflexion der Lehrkonzeption der Teilnehmenden.

dozierendentagungIm Workshop zu Faculty Development haben Marion Lehner und ich die Gelegenheit genutzt, unser neues Konzept zum lehrbezogenen Faculty Development  den Angehörigen der Universität zu präsentieren. In einem zweiten Teil wurden die lehrbezogenen Wahrnehmungen der Anwesenden reflektiert, indem wir verschiedene Metaphern der Teilnehmenden zum Lehren gegenübergestellt und diskutiert haben. Dies ergab ein buntes Bild von Metaphern wie dem Entertainer, dem Gärtner, dem Sportcoach, dem Dirigent…

Besonders hervorzuheben ist, dass 75 Dozierende, darunter auch viele Professoren/-innen, fast alle Vertreter des amtierenden Rektorats sowie eine Reihe von Studierenden bei der Tagung anwesend waren und so die Reflexion der eigenen Lehrtätigkeit auf Anklang gestossen ist. Dies wurde auch von den Studierenden entsprechend wahrgenommen (siehe im Beitrag in der Studierendenzeitung Prisma). Wir freuen uns, dass angestrebt wird, die Dozierendentagung auch im nächsten Jahr durchzuführen!

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Rückblick auf den Workshop mit Angelika Thielsch von der Universität Göttingen zum Thema Faculty Development

Im Herbstsemester 2014 wird das Zertifikatsprogramm (CAS Hochschuldidaktik) neu aufgesetzt. Das Konzept hierfür steht grundsätzlich und wurde bereits innerhalb der Universität St. Gallen und auf der DGHD-Tagung vorgestellt. Im Moment arbeiten wir an der Feinjustierung der einzelnen Instrumente sowie an der Sicherung der Kohärenz innerhalb des Programms.

Insbesondere die Feinplanung der informellen Lernarrangements im Zertifikatsprogramm stellt eine hohe Herausforderung dar. Die neu aufgenommene Mentoring-Beziehung zwischen einem/-r Zertifikatsteilnehmenden und einem erfahrenen Lehrenden soll sinnvolle Austauschanlässe innerhalb der dreisemestrigen Ausbildung beinhalten. Diese Anlässe sollen die Teilnehmenden in ihrer Anzahl und Intensität nicht überfordern, jedoch so häufig angesetzt sein, dass die Beziehungsarbeit ermöglicht wird. Diese Herausforderungen bearbeiteten wir Ende April 2014 zusammen mit der pädagogischen Expertin der Universität Göttingen, Angelika Thielsch. Da in Göttingen seit einigen Jahren das Programm Hetairos sehr erfolgreich durchgeführt wird, konnten wir den Erfahrungsschatz von Angelika Thielsch nutzen und uns intensiv über unsere Umsetzungsplanung des Mentoringkonzepts austauschen. Hetairos ist ein innovatives hochschuldidaktisches Entwicklungsinstrument, das ProfessorInnen und Doktoranden im Team Teaching-Gespann voneinander profitieren lässt. Im Workshop entstand ein konkreter Prozessplan für die Durchführung des Mentoring in unserem erweiterten Zertifikatsprogramm.

Die wichtigsten Fragen im Workshop waren für uns:

  • Zu welchen Zeitpunkten innerhalb der drei Semester des Zertifikatsprogramms sind Treffen von Mentor/-in und Mentee nötig?
  • Wann im Prozess bedarf es einer Unterstützung informeller Lernarrangements seitens pädagogischer Experten/-innen und wann ist dies ggf. sogar kontraproduktiv?
  • Wie kann die Kohärenz gewahrt werden zwischen den vielfältigen Instrumenten des Zertifikatsprogramms (Mentoring, Peer-Hospitation, Experten-Hospitation, Beratung durch pädagogische Experten, formelles Kursangebot, Lehrprojekt, Abschlussarbeit)?
  • Wie lassen sich Lehrauffassungen in allen Lerngelegenheiten angemessen adressieren?

Dies sind nun Aufgaben, die uns in den nächsten Monaten bis zum Start des neuen Zertifikatsprogramms intensiv beschäftigen werden. Wir danken hiermit nochmals ganz herzlich Angelika Thielsch für den sehr intensiven und gewinnbringenden Austausch zum Faculty Development und den auch persönlich sehr bereichernden Besuch an unserem Institut!

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Konferenzbeitrag zum Faculty Development auf der DGHD 2014

Im Rahmen der DGHD 2014 in Braunschweig habe ich den Konzeptentwicklungsprozess für unser Faculty Development an der Universität St. Gallen vorstellt. Im Laufe der letzten sechs Monate haben wir  in einem iterativen und kooperativen Prozess ein Konzept für ein ganzheitliches Faculty Development  entwickelt, das nun zur Umsetzung bereitsteht. Das Faculty Development an der Universität St. Gallen umfasst eine Auswahl an Instrumenten wie beispielsweise das Talent Management, das hochschuldidaktische Zertifikatsprogramm sowie die Dozierendentagung , die am 30. April 2014 erstmals durchgeführt wird.

Die Entwicklung des Konzepts erfolgte theoriebasiert. Nachdem die Vision der angestrebten Lehrpraxis an der Universität St. Gallen unter Einbezug verschiedener Stakeholdern innerhalb der Universität ausgelotet werden konnte, wurde ein Lehrkompetenzmodell entwickelt.

Im gemeinsamen Slot auf der DGHD präsentierte auch die Hochschuldidaktik der Universität Zürich ein neu entwickeltes Lehrkompetenzmodell, auf das auch sie im Weiteren die Entwicklung von Instrumenten zur Lehrkompetenzentwicklung ihrer Dozierenden stützen werden. Diese Präsentation gab eine gute Anregung zu einem zukünftigen Austausch unserer Universitäten zum Thema Lehrkompetenzmodell. Angelika Thielsch von der Hochschuldidaktik der Universität Göttingen ergänzte unsere Präsentation ebenfalls sehr gut, da sie das Team-Teaching Programm der Universität Göttingen thematisierte, das seit einigen Jahren sehr erfolgreich angeboten wird.

Da unser erweitertes Konzept für das Faculty Development sowohl mit einem neu entwickelten Lehrkompetenzmodell ausgestattet ist und auch auf der Ebene des hochschuldidaktischen Zertifikatsprogramms ähnliche Ansätze verfolgt wie das Team-Teaching-Programm der Universität Göttingen, fühlten wir uns in unserem Slot auf der DGHD sehr gut aufgehoben und freuen uns auf den (weiteren) Ideenaustausch mit beiden Institutionen.

 

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Rückblick: Friday Lecture an der Universität Wien

Anfang März war ich eingeladen, eine Friday Lecture zum Thema „Kompetenzorientierte Entwicklung von Studien“ an der Universität Wien zu halten. Die Friday Lectures werden organisiert vom Center for Teaching and Learning (CTL) der Universität Wien und ca. fünfmal pro Semester angeboten. Sie drehen sich um verschiedene Themen zum Lehren und Studieren.

In meinem Vortrag habe ich die Grundhaltung der Kompetenzorientierung aufgegriffen und anhand von drei Fallvignetten Möglichkeiten der kompetenzorientierten Gestaltung von Studiengängen illustriert.

In den Fallvignetten wurden folgende drei Aspekte vertieft:

  • Kompetenzorientierte Formulierung von Lernzielen
  • Kompetenzorientierte Gestaltung von Lehrveranstaltungen und Studienprogrammen
  • Kompetenzorientiertes Prüfen

Entsprechend hat folgendes Ordnungsraster, das in Teilen auf dem Fachgutachten zur Kompetenzorientierung von Niclas Schaper, Universität Paderborn, basiert, den Vortrag geleitet:

kompetenzorientierte-studiengangsentwicklung

Sehr spannend waren die Diskussionen, die nach jeder Fallvignette mit dem Publikum geführt wurden. Dabei wurde beispielsweise von der Erfahrung in Beratungen berichtet, dass kompetenzorientierte Lernziele trotz allem administrativen Aufwand, der mit ihrer Formulierung einhergeht, ein gutes Gerüst für die Lehrpersonen bieten, um über ihre Veranstaltungen und deren Ergebnisse zu reflektieren. Gleichzeitig wurde auch immer wieder angemerkt, dass die Motivation der Lehrenden für die Weiterentwicklung ihrer Veranstaltungen ausschlaggebend ist, damit Kompetenzorientierung ihr Potenzial entfalten kann und dass die Übersetzung der didaktischen Modell in die Lehrpraxis für alle Beteiligten eine Herausforderung darstellt.

Meine Quintessenz im Vortrag war – ausgehend von unseren Erfahrungen – , dass im Rahmen der Studiengangsentwicklung ein Prozess geleitet von zielgruppenorientierten Leitfragen (anstelle von Kompetenzmodellen) erfolgsversprechend ist. Auf diese Weise streben wir an, die Diskussion mit den Vertretern/-innen der Studienprogramme auf Augenhöhe und in ihrer Sprache zu führen, anstelle sie mit didaktischen Modellen zu überladen. Letztlich münden die Diskussionen dann doch in einem Kompetenzmodell, das aber eher über einen indirekten Weg entsteht. Für uns ist das im Moment der angemessene Weg, um nachhaltig zur Weiterentwicklung unserer Studiengänge beizutragen.

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Rückblick Sustainable University Day 2014

Am 28.03.14 haben wir als Projektteam am Sustainable University Day teilgenommen. Der erste seiner Art, der folgende Frage zum Thema gemacht hat: Wie kann nachhaltige Entwicklung in der Universität, insbesondere in Studiengängen verankert werden?

Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung nach Bern. Den Auftakt gestalteten fünf Workshops. Unter anderem der von Stephen Sterling und Karl Herweg. Dieser lässt sich unmittelbar mit unserem Projekt an der HSG  verbinden und wird in einem separaten Beitrag von Franziska Burkart vorgestellt.

Den Workshop „How to develop curricula for sustainable development: the case of Business Schools“ gestalteten Taiga Brahm und ich.

Frau Prof. Katrin Muff, Dean der Business  School Lausanne (BSL), eröffnete als Expertin den Workshop. Sie berichtete darüber, wie es gelungen ist, ein Curriculum für Sustainable Development an der BSL zu entwickeln. Eindrücklich war, dass jeder Kurs zu mindestens 10% Inhalte aus den Bereichen Verantwortung und Nachhaltigkeit enthalten muss. Zielführend bei der Implementierung war neben einem zukunftsgerichteten Mission Statement die Prozessgestaltung selbst: Ausgewählte und systematisch zusammengesetzte Teams entwickelten Umsetzungsmöglichkeiten. So konnten überzeugende Best-Practice-Beispiele generiert werden, die mit Hilfe von Peer-Reviews Eingang in den Umsetzungsprozess fanden.

Als vorteilhaft für die Umsetzung beschrieb Frau Muff unter anderem die Rahmenbedingung, dass es sich bei der BSL um eine kleine Hochschule mit vielen Beteiligten aus der betrieblichen Praxis handle, die um die praktische Relevanz von Nachhaltigkeit und Verantwortung wissen. Ausserdem sei das Selbstverständnis der Hochschule als ein Ort, an dem zukunftsrelevante Aspekte diskutiert und bearbeitet werden sollen, relevant für eine erfolgreiche Umsetzung. Eine vergleichbare Zielformulierung hat die HSG vorgenommen. Deshalb schlägt Frau Muff vor, diese noch stärker zu thematisieren, um Lehrende für das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zu gewinnen.

Die Teilnehmenden an der anschliessenden Diskussion zum aktuellen Stand unseren Projekts waren sehr vielfältig: Studierende und Professoren, wie auch Programmverantwortliche von universitären und außeruniversitären Einrichtungen beteiligten sich sehr rege an der Erörterung folgender Fragen:

  • Welche Kompetenzen benötigen wir für Sustainable Development? Inwieweit gibt es hierbei Unterschiede zwischen den Disziplinen? ‒ Erörterte Aspekte waren u.a. fächerübergreifende Kompetenzen, wie systemisches Denken sowie Werthaltungen und -diskussionen.
  • Welche Methoden setzen wir bereits ein, um die Studierenden anzuregen, über nachhaltige Entwicklung vertieft nachzudenken? Welche Rahmenbedingungen sind hierfür notwendig? ‒ Erörterte  Aspekte waren: Veranstaltungsformen, Lehrkompetenzen, Disziplinverständnis und Curriculumsgestaltung, um Themen interdisziplinär von Studierenden bearbeiten zu lassen.

Aus dem Nachmittagsprogramm möchte ich an dieser Stelle das Input-Referat von Herrn Prof. Stephen Sterling  hervorheben. An der Universität Plymouth setzt er sich für eine umfassende Verankerung des SD-Gedankens gemäss dem „4C-Model“ ein, das Franziska Burkart in ihrem Beitrag erläutert. Besondere und zweifache Herausforderung sieht er darin, dass die Einführung und Umsetzung des Sustainable-Developments-Gedankens ein strukturelles und organisationales Lernen bei allen Beteiligten der Hochschule fordert. Das Referat verdeutlichte gut, wie ein Projekt, wie das unsere, einen Beitrag zu einem wesentlich umfassenderen „institutional change process“ einer Hochschule darstellt, der alle universitären  Bereiche tangiert.

Ausblick möchte ich abschliessend auf den folgenden Sustainable University Day geben. Dieser wird im März 2015 an der Universität St. Gallen stattfinden. ‒ Wir freuen uns jetzt schon auf diesen Tag, der Forschenden, Interessierten und Betroffenen von Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule eine vielfältige Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und für Diskussionen gibt.

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oikos & Pizza – Energie-Agentur der Wirtschaft

Im März 2014 besuchte ich „oikos & Pizza“, einen regelmässigen Anlass, um Studierende für Themen der Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und innovative Lösungen zu gegenwärtigen sowie künftigen Herausforderungen zu diskutieren.

Einleitend erfolgte ein kurzer Input zu Un-Dress, einem Fashionevent über „Bewusst sein mit Stil“ Ende April: Dort soll gezeigt werden, dass „nachhaltig“ und „modisch“ – trotz Aufeinandertreffen von Konsum, Mode und Natur – durchaus zusammenpassen.

Auf „Energie-Effizienz: Hemmnisse, Instrumente und Ansatzpunkte in der Wirtschaft“ lag der Fokus des Abends. Herr Dr. Armin Eberle, Geschäftsführer der EnAW (Energie-Agentur der Wirtschaft), referierte kompetent zu diesem Thema: Effizienz ist die Lösung zur Senkung des Energieverbrauchs trotz Wachstum der Bevölkerung bzw. der wirtschaftlichen Tätigkeit. Dadurch kann die Nachhaltigkeit über drei Facetten erreicht werden:
a) ökologisch, z.B. indem der CO2-Ausstoss vergingert oder Energie gespart wird.
b) ökonomisch, also mittels wirtschaftlichen Massnahmen.
c) sozial, bspw. durch Förderung von Cleantech, Arbeitsplätzen und Investitionen in die Schweiz.
Wichtig für die Sensibilisierung sowie die Um- und Durchsetzung ist nicht primär der Inhalt, sondern die Art und Weise der Kommunikation. Bedeutsame Treiber sind diesbezüglich Erfahrungsberichte anderer, Regulation seitens des Gesetzgebers, Wirtschaftlichkeit und Klimawandel.

Besonders beeindruckt (und überrascht) hat mich dabei, dass bis zu 40% des Energieverbrauchs eingespart werden können: Hauptsparpotenziale sind grundsätzlich der IT-Bereich, Gebäudegegebenheiten und der Geschäftsverkehr. Bei der Raiffeisen Bank betrugen die Einsparungen ohne jegliche physische Investitionen bereits 12%. Bewusstmachung und konkrete Hinweise zur Behebung von Ineffizienzen waren dabei ausschlaggebend.

Ebenso wurde das Energie-Management-Modell der EnAW vorgestellt:

Energie Modell EnAW

Sehr spannend waren die Erläuterungen dazu: Gemäss des Referenten ist nicht nur das Controlling, sondern allen voran die konkrete Zielvereinbarung von grosser Bedeutung. Nur so kann zu Massnahmen motiviert – respektive können diese durchgesetzt und gerechtfertigt – werden.

„oikos & Pizza“ regt zur Reflexion an und fördert den Kontakt bzw. Austausch mit Fachpersonen, ebenso aber auch zwischen den Studierenden. Meiner Meinung nach ist diese Veranstaltung von oikos ein Weg mit viel Potenzial zur Stärkung des Bewusstseins in der Thematik Nachhaltigkeit – also definitiv mehr als nur Pizza!