Archiv für den Autor: tjenert

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Nach Lehre hoch n ist vor Lehre hoch n

Anfang diesen Jahres ging das Lehre hoch n Jahresprogramm 2014/15 zu Ende – und damit auch der Auftrag zur wissenschaftlichen Begleitung. Mit der Vorlage des Abschlussberichts im Juli (eine öffentliche Version wird noch in diesem Jahr verfügbar sein) ist somit ein Projekt abgeschlossen, dass mich seit 2012 begleitet hat.

Nun ist es wie so oft bei solch langfristigen Projekten: Mit dem lachenden Auge ist man froh, dass ein umfassendes und komplexes Projekt einen guten Abschluss gefunden hat; mit dem weinenden Auge vermisst man die zahlreichen Erlebnisse und Erfahrungen, die über die drei Jahre zusammengekommen sind. Letzteres ist bei Lehre hoch n besonders ausgeprägt: Die Zusammenarbeit mit Dr. Antje Mansbrügge von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. war und ist wirklich aussergewöhnlich konstruktiv. Zudem hat Lehre hoch n auch mein persönliches Netzwerk im Bereich der Lehrentwicklung an Hochschulen extrem verbreitert. Besonders freut es mich in diesem Zusammenhang, dass wir viele Lehre hoch n-Teilnehmende als Autoren/-innen für unseren Sammelband zur „pädagogischen Hochschulentwicklung“ (Erscheint Ende 2015/Anfang 2016; Seid gespannt!) gewinnen konnten.

Ganz schwer fällt mir der Abschied von Lehre hoch n auch deswegen nicht, weil mein Engagement auch noch bis Ende des Jahres weitergeht; und zwar im Lehre hoch n Kolleg „Sprach- und Literaturwissenschaften, Geisteswissenschaften“. Gerade bin ich vom dritten Kolleg-Workshop auf Gut Siggen zurück. Fünf spannende Projekte arbeiten hier am Transfer von Studienreformprojekten. Für mich die Gelegenheit, nach dem Kolleg MathIng (Mathematik in den Ingenieurswissenschaften) nochmal eine ganz andere disziplinäre Kultur kennen zu lernen. Ich berichte weiter…

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Something new is about to emerge…

Wondering why it has been so calm here lately? Well, we haven’t been dozing around lazily. Rather, we are feverently working on launching our new institutional roof: hochschulentwicklung.ch is becoming the Center for Educational Development And Research.

Finally, we are getting an organizational structure that allows us to do what we are especially good at: Combine research on teaching and learning in Higher Education with developing HEIs organizationally and, finally, fueling our experiences into faculty development.

To provide you with a first impreCEDAR-leftssion of what is about to emerge, we allow you a first glimpse of our new logo. Of course it’s green and sports a cedar tree. More details about CEDAR are going to be out this summer…

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Mathematik in den Ingenieurswissenschaften: Ein Jahr nach dem Lehre hoch n Kolleg

An der Ruhr-Uni Bochum fand vom 26. bis 28. Februar das erste gemeinsame Treffen der Lehre hoch n Kollegiaten aus dem Kolleg „Mathematik in den Ingenieurswissenschaften“ statt. Über den Sommer hatte ich alle Kolleg-Hochschulen besucht und Fallstudien zu den insgesamt sechs Projekten erstellt, die sich alle darum bemühen, die Erfolgsquote in den Mathematikveranstaltungen der Studieneingangsphase von Ingeneursstudien zu erhöhen.

Ein Jahr nach Ende des fünften und letzten gemeinsamen Workshops der Kolleg-Teams richteten nun die Bochumer Kollegiaten um Prof. Herold Dehling das erste Nachtreffen aus. Moderiert von Doris Carstensen ging es zunächst darum, sich gegenseitig die Entwicklungen des vergangenen Jahres im Eiltempo näherzubringen. Dies gelang nicht zuletzt deswegen gut, weil sich sorfort eine vertraute Atmosphäre unter den Kolleg-Teams einstellte. Ein deutliches Indiz also, dass es dem Format Kolleg gelungen ist, neben dem fachlichen Austausch auch eine nachhaltig funktionierende, vertrauensbasierte Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Mein eigener Beitrag bestand in der Vorstellung erster Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung (die Präsentation kann ich wegen der vertraulichen Inhalte hier nicht zur Verfügung stellen). Die anschliessende Diskussion drehte sich vor allem darum, wie man Transfer im Rahmen des Kollegs verstehen kann. Davon ausgehend ging es um die Frage, wie sich verschiedene Arten und Dimensionen von Transfer – z.B. zwischen Kolleg-Teams oder mit externen Hochschulen – im Kolleg gezielt unterstützten lassen.

Zusammenfassend war ich vom lebendigen Kolleg-Geist ein Jahr nach dem Ende der formalen Workshops positiv überrascht. Dementsprechend gross ist die Vorfreue und die Spannung, was das nächste Kolleg – diesmal mit Vertretern/-innen aus den Geisteswissenschaften – bringen wird.

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Didaktik an Fachhochschulen: Selbstorganisiertes Lernen

Am 25. Juni 2014 durfte ich als Gastreferent bei der Veranstaltung „Didaktik an Fachhochschulen: Selbstorganisiertes Lernen“ der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil dabei sein. Franziska Zellweger von der PH Zürich (und ehemals Leiterin unseres Teams!) sowie Dominique Herren von der FH in Bern waren ebenfalls als externe Referenten geladen. Ergänzt wurden unsere konzeptionellen Beiträge von Beispielen und Reflexionen aus der ZHAW selbst.

(Für mich) spannendster Teil des Tages war eine Posterpräsentation am Nachmittag. Hier zeigten Lehrende aus unterschiedlichen Departements und Studiengängen Ihre Konzepte zur Umsetzung selbstorganisierten Lernens an der ZHAW. Das war nicht nur inhaltlich richtig interessant – viele der Konzepte waren aussergewöhnlich gut durchdacht und didaktisch innovativ umgesetzt; besonders beeindruckt haben mich die Mühe und das Engagement, mit denen die Lehrenden ihre Projekte für die Präsentation aufbereitet und präsentiert haben.

Meine Präsentation zeigt insofern einen – aus meiner Sicht vergleichsweise weniger spannenden – Teil des Tages.

Eine Herausforderung, die mir zum wiederholten Male über den Weg lief, ist die Passung auf den Kontext Fachhochschule. Speziell in Bezug auf lernkulturelle Unterschiede zu Universitäten sind mir kaum Forschungsarbeiten bekannt. So begnügt man sich mit recht naiven Hinweisen darauf, dass die Lehre an Fachhochschulen einen vergleichsweise höheren Stellenwert hat und die Dozierenden  in der Regel einen unmittelbareren Praxisbezug mitbringen dürften. Alles in Allem – und das sieht man auch in meiner Präsentation – fehlt es aber an systematischen Einsichten, um Konzepte wie selbstorganisiertes Lernen auf die Spezifika von Fachhochschulen anzupassen. Gespräche mit verschiedenen Teilnehmenden zeigten, dass auch die Fachhochschullehrenden selbst nicht genau benennen können, was das Spezifische ihrer Institution darstellt. Hier ist also Raum, um beispielsweise das Konzept der Lehr-/Lernkulturen an Hochschulen organisationsspezifisch aufzuarbeiten und empirisch zu erfassen.

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Hochschulentwicklung on Tour: Mission Lehre hoch n-Kolleg

Heute mal ein Live-Reisebericht von hochschulentwicklung.ch aus Berlin auf Mission Lehre hoch n-Kolleg. Seit Februar sind wir auch in die Begleitforschung des fachdidaktischen Programmteils von Lehre hoch n, dem Kolleg „MathIng“ involviert. Dabei trafen sich sechs Teams aus verschiedenen Hochschulen in Deutschland und Österreich, um Konzepte zur Verbesserung der Mathematikkompetenzen von Studienanfängern/-innen in der Ingenieursausbildung auszutauschen und weiterzuentwickeln.

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Im Rahmen der Begleitforschung stehen nun Vor-Ort Besuche an den sechst Hochschulstandorten – Aachen, Berlin, Bochum, Hamburg, Wolfenbüttel und Wien – an. Allen Projekten gemein ist, dass sie sich zum Ziel gesetzt haben, die Erfolgsquoten in den mathematischen Grundlagenveranstaltungen verschiedener ingenieurswissenschaftlicher Studiengänge zu erhöhen. Letztlich wollen sie damit auch einen Beitrag zur Verringerung der Abbrecherquoten in den Ingenieurswissenschaften insgesamt leisten. Nachdem letzte Woche das Projekt „Themenwochen zur Verknüpfung von Mathematik, Elektrotechnik und Physik“ der HAW Hamburg auf dem Reiseplan stand, berichte ich heute live aus Berlin. Beim Besuch von Dr. Katherine Roegner an der TU Berlin ging es heute um das Projekt Uni Plus, das Studienanfänger/-innen mit multimedial aufbereiteten Lernmaterialien und Tutorienkonzepten bei der Bewältigung der Mathematikveranstaltungen unterstützt. Warum der Aufwand der Vor-Ort-Besuche? Der Begleitforschung geht es nicht nur darum, die Konzepte und deren Weiterentwicklung im Rahmen des Kollegs nachzuvollziehen. Vielmehr soll ganz bewusst die Genese der einzelnen Projekte an ihren jeweiligen Hochschulen in den Blick genommen werden. Dazu gehören insbesondere hemmende und förderliche Rahmenbedingungen, institutionelle Konstellationen und „Critical Incidents“. Die Besuche helfen, ein vertieftes Verständnis dieser Konstellationen vor Ort zu entwickeln. Daneben ist es natürlich unglaublich spannend, Einblick in so viele unterschiedliche Hochschulen und Projekte zu bekommen – nicht zuletzte in einer Disziplin, die doch recht weit von der eigenen entfernt liegt. Und morgen geht’s  weiter nach Bochum.

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An der TU Berlin gibt es sogar ein Fest der Mathematik

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Und dann noch etwas Sightseeing am Abend.

Neu, besser, exzellent? Wie das Neue in die Hochschullehre kommt – oder auch nicht.

Am Montag, den 03. März war ich auf Einladung des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft als Impulsgeber auf der Tagung „Neu, besser, exzellent? Über Innovationen in der Hochschullehre“. Es war die zweite Lehr/-Lernkonferenz im Rahmen des Fellowship-Programms der Baden-Württemberg Stiftung, der Joachim Herz Stiftung und des Stifterverbands, das innovative Lehrende bei ihren Projekten an Hochschulen unterstützt. Neben Prof. Dr. Isa Jahnke durfte ich als zweiter Redner der Frage nachgehen, wie das Neue in die Hochschule kommt. Kommentiert wurden beide Inputs von Prof. Dr. Wolfgang Jütte, der die Begleitforschung des Fellowship-Programms verantwortet. Ich übernahm den kritischen Part: Unter dem Titel „Viel Neues und doch keine Innovation!?“ ging ich der Frage nach, welche Hindernisse einer nachhaltigen Implementation von Lehrinnovationen entgegenstehen. Download:

Jenert, T. (2014). Viel Neues und doch keine Innovation!? Fünf Thesen, warum es die Lehrentwicklung an Hochschulen schwer hat. Zweite Lehr-/Lernkonferenz des Fellowship-Programms für innovative Lehre, 02. März, Berlin.

Neben dem Input besuchte ich noch einen Workshop der Arbeitsgruppe „Medizin“, in der drei Projekte von Fellows vorgestellt wurden. Interessant war für mich, dass die Mediziner ähnliche Herausforderungen für die Lehre beschrieben, wie wir sie auch in der Management-Ausbildung kennen. Es gibt ein „Gefühl“, dass die Studierenden nicht unbedingt gut auf jene Kompetenzen geprüft werden, die später für eine gute klinische Praxis ausschlaggebend sind. Gleichzeitig lassen die Rahmenbedingungen aber oft nur unbefriedigende Prüfungsstrukturen (vielfach Multiple Choice) zu. Einen interessanten Ansatz brachte in diesem Kontext Dr. Tobias Raupach, der so genannte Key-Feature-Assessments einsetzt, um tatsächliche diagnostische Kompetenz zu prüfen und zwar mit vergleichbarem Aufwand wie bei Multiple Choice-Prüfungen. Auf jeden Fall werde ich noch genauer drüber nachdenken, ob man diese Art der Prüfung auch in unseren wirtschaftswissenschaftlichen Kontexten einsetzen könnte.

Insgesamt eine sehr interessante Erfahrung und ein lehrreicher Tag in Berlin.

Leute, wir sind an einer UNI

Als Beitrag zum Themenheft „Studienprogrammentwicklung“ der Zeitschrift für Hochschulentwicklung habe ich mich in einem Beitrag mit der Bedeutung akademischer Kulturen für die Lehrentwicklung befasst. Im wesentlichen geht es mir darum, auch und gerade im Rahmen des „Shift from Teaching to Learning“ nicht zu vergessen, in welchem Kontext wir uns befinden – in der Wissenschaft. Angesichts der ganz spezifischen Merkmale akademischer Karrierewege, Persönlichkeiten und Kulturen sollten sich Lehrentwickler/-innen bewusst sein, dass eine Abkehr von der disziplinären Sichtweise bisweilen eine grosse Herausforderung für Lehrende darstellt. Warum genau und an welchen Stellen man besonders aufmerksam in Bezug auf akademische Kulturen sein sollte, kann man im Beitrag nachlesen:

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Hochschulentwicklung an der Gesellschaft für empirische Bildungsforschung

Am 4. und 5. März war ich auf der zweiten Jahrestagung der Gesellschaft für empirische Bildungsforschung in Frankfurt am Main. Präsentieren durfte ich Ergebnisse aus unserer (Taiga Brahms und meiner) Mixed Methods-Studie zur Motivationsentwicklung der Studienanfänger/-innen an der Universität St.Gallen:

Jenert, T. & Brahm, T. (2014). Entwicklung der Motivation von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften im ersten Studienjahr – eine Mixed-Methods-Studie. 2. Jahrestagung der Gesellschaft für empirische Bildungsforschung, 3.-5. März, Frankfurt am Main.

Unser Beitrag war Teil des Symposiums „Motivation für das Studieren: Theorie – Messung – Intervention“, unter Vorsitz von Thomas Martens (DIPF), Rolf Schulmeister und Christiane Metzger. Sehr detailliert und daher wertvoll fand ich auch den Beitrag Diskutandin Katrin Rakoczy, die sich offensichtlich intensiv mit den Beiträgen auseinandergesetzt hatte. So gab sie konkrete Hinweise auf mögliche Verbesserungspotenziale und alternative Interpreationsmöglichkeiten unserer Forschung (und auch der anderen Beiträge des Symposiums).

Ich empfand das Symposium als besonders spannend, da insbesondere die Beiträge von Schulmeister und Metzger im Kontext der bekannten ZEITlast-Studie ausgesprochen interessante Anregungen für die pädagogische Hochschulentwicklung bieten. So wurde – ausgehend von der Erkenntnis, dass Studierende im Mittel nur rund 23 Stunden pro Woche für das Studium aufwenden – an der FH St. Pölten eine Studienstruktur in Ahnlehnung an den so genannten „Blockplan“ eingeführt. Dies bedeutet, es werden kürzere, dafür zeitlich umfangreichere Module angeboten, was letztlich zu weniger parallelen Lehrveranstaltungen und Themen führt. Die effektive Studienzeit konnte so auf rund 34 Stunden pro Woche erhöht werden und auch die Studienleistungen verbesserten sich deutlich. Ähnliche Überlegungen wurden auch an unserer Universität vor nicht allzu langer Zeit diskutert, bislang leider ohne konkrete Folgen.

Zudem gab es nette Begegnungen mit Kollegen und den festen Plan, im Rahmen der Motivationsforschung in diesem Jahr konkreter zusammenzuarbeiten.

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Faculty Development: Für wen und wozu?

Die Frage in der Überschrift erscheint auf den ersten Blick natürlich reichlich einfältig. Faculty Development (FD) im Rahmen der pädagogischen Hochschulentwicklung zielt darauf, Lehrende zu „guter Lehre“ zu befähigen. Das Team Hochschulentwicklung – allen voran Marion Lehner und Taiga Brahm – sind in diesem Zusammenhang dabei, eine Neukonzeption für das FD an der Universität St.Gallen zu entwickeln. Auf dem Weg von einem hochschuldidaktischen Ausbildungsprogramm zu einem umfassenden lehrorientierten FD geht es unter anderem darum, die persönliche Entwicklung der Lehrenden stärker in den Mittelpunkt zu stellen und gegenüber den inhaltlichen Elementen (im Wesentlichen traditioneller Weiterbildung in Form von Präsenzkursen) zu stärken. Ein persönliches Lehrprojekt wird dazu ebenso beitragen wie verstärkte Mentoring-Elemente und eine bessere Verzahnung mit den Studienprogrammen. So wird das FD durch die Einbindung etablierter Professoren als Mentoren/-innen einerseits eine bessere Verknüpfug zur akademischen Karriereentwicklung erfahren. Andererseits sollen die Programmleitenden aktiv bei der Entwicklung und Umsetzung von Ideen für die Lehrprojekte eingebunden werden.

Vergangene Woche wurde dieses Konzept einem grösseren Kreis interessierter Personen, insbesondere aus den Services sowie Vertretern/-innen des Mittelbaus, vorgestellt. Die umfassenden und wertvollen Rückmeldungen in diesem Kreis boten Anlass, einige grundsätzliche Fragen zu überdenken, die vielleicht nicht nur für unser Projekt, sondern für pädagogische Hochschulentwickler/-innen bzw. Hochschuldidaktiker/-innen allgemein interessant sein könnten. Zunächst wurden folgende Herausforderungen deutlich:

  • Zahlreiche Themen, die für die Lehrqualität ausserordentlich relevant sind, liegen nicht oder nur teilweise in unserem Blickfeld. Beispiele sind hier etwa Fragen der psychischen Belastbarkeit von Lehrenden und Studierenden, Herausforderungen im Rahmen der akademischen Karriereentwicklung, oder die inhaltlich/thematische Weiterentwicklung Nachwuchslehrender.
  • Viele Lehrende sind – zumindest an unserer Hochschule – sowohl für die Hochschulentwicklung als auch für die Servicestellen schwer zu erreichen. Dies gilt insbesondere für externe Lehrbeauftragte. Hier kann die Lehrqualität allein schon dadurch beeinträchtigt werden, dass zentrale Prozesse nicht bekannt oder die eigene Programmzugehörigkeit nicht klar ist.
  • Obwohl unsere Universität vergleichsweise klein und thematisch konzentriert ist, gibt es doch wesentliche Unterschiede in der Lehrorganisation der Schools (Fakultäten). Die disziplinäre Zuordnung der Lehrenden spielt also auch bei uns eine wichtige Rolle, da sich etablierte Lehrpraktiken und Lernkulturen selbst zwischen so verwandten Fächern wie Betriebs- und Volkswirtschaft doch wesentlich unterscheiden können.

Diese Erkenntnisse sind jetzt nicht besonders überraschend, sie werfen für die Gestaltung des FD aber doch ganz zentrale Fragen auf: Sollen wir uns auch um Fragen der Lehrorganisation an unserer Hochschule kümmern, wo es uns doch eigentlich darum geht, „gute Lehrende“ aus pädagogisch-didaktischer Sicht zu fördern? Anders ausgedrückt: Wollen und können wir „gute Lehre“ für sich selbst genommen fördern, oder geht es darum, gutes Lehren an der Universität St.Gallen zu unterstützen?  Darüber kann man sich schon etwas länger den Kopf zerbrechen, denn die Antwort ist nicht so eindeutig: Natürlich erheben wir aus pädagogisch-didaktischer Sicht den Anspruch, grundlegende Handlungskompetenzen für die Hochschullehre zu fördern. Die Absolvierenden unseres FD-Programms sollen auch an anderen Hochschulen gute Lehre betreiben können. Auf der anderen Seite vertreten wir als Hochschulentwickler/-innen aber auch den Anspruch, die Lehre an unserer Universität beständig weiter zu entwickeln. Und um über das FD möglichst unmittelbare Wirkung auf das Lehrhandeln der Dozierenden zu erzielen, ist eben eine sehr enge Verknüpfung mit den spezifischen Gegebenheiten an unserer Universtität ganz entscheidend.

Unser konkretes Fazit: Wir werden bei der Gestaltung des Faculty Development verstärkt darum bemüht sein, Kolleg/-innen aus anderen Bereichen der Universität (z.B. Beratungsstellen, Forschungs- und Karriereförderung, Lehradministration, Fakultäten) an geeigneten Stellen in das FD einzubinden.

MOOCs an Hochschulen: Wiederentdeckung des Blended Learning?

Die MOOC-Diskussion (MOOC – Massive Open Online Course) hatte bislang ja einen recht typischen Charakter für den Bereich des technologieunterstützen Lernens: Die einen sehen darin (wieder einmal) eine Revolution und die Chance, Bildung weltweit zu demokratisieren. Die anderen mahnen angesichts des didaktischen Konzepts von vorgestern.

Interessant ist daher zu beobachten, wie die Anbieter von MOOCs unter einem steigenden ökonomischen Druck versuchen, Erträge aus dem eigentlich freien Bildungsangeboten schlagen:

  • Einige (z.B. Coursera) streben an, sich über kostenpflichtige Weiterbildungsangebote für Unternehmen zu finanzieren.
  • Auch der Verkauf von Lernenden-Daten an Unternehmen ist im Gespräch.
  • Eine aus didaktischer Sicht besonders beachtenswerte Finanzierungsschiene, weil sie den Charakter von MOOCs verändert: Zunehmend versuchen MOOC-Anbieter, zusammen mit einzelnen Universitäten, massgeschneiderte Studienprogramme auf den Weg zu bringen. Ein gutes Beispiel liefert „2U“: Dieser Anbieter stellt in Kooperation mit Partneruniversitäten ganze Semesterprogramme zusammen, die mit Credits belohnt werden. Es handelt sich um eine Mischung aus MOOCs, Online Selbstlernmaterialien, „Präsenzelementen“ wie Virtual Classrooms u.a.m.

„After a year in which the top universities in the world have clambered to offer massive open online courses (MOOCs) for no credit, this new project marks yet another turning point in online education. It is the first known example of top universities offering fully online, credit-bearing courses to undergraduates who are not actually enrolled at the institutions that are offering them. … Upon completion the students will receive the equivalent number of credits — with the institution’s seal of approval. The company and the universities will share any revenue that comes from the project.“ (Quelle: http://www.insidehighered.com/news/2012/11/16/top-tier-universities-band-together-offer-credit-bearing-fully-online-courses#ixzz2ljiAw0N4)

Aus didaktischer Sicht erscheint diese Entwicklung durchaus vernünftig und letztlich auch unvermeidbar: Durch Methodenvielfalt, „persönlichere“ Betreuung und geregeltes Assessment soll die didaktische Qualität der Angebote sichergestellt werden. Einige der Kritikpunkte an MOOCs werden damit aufgenommen (siehe dazu z.B. das Urteil von Rolf Schulmeister).

Allerdings stellt sich im selben Moment die Frage: Sind das noch MOOCs? Die Kurse sind weder „massive“, noch wirklich „open“. Letztlich scheinen die MOOC-Anbieter wie auch die Hochschulen als Partner gerade die Idee von Blended Learning Angeboten wieder zu entdecken, d.h. technologiebasierte Lehre so zu gestalten, dass über methodische Vielfalt und „persönliche“ Interaktionen schliesslich ein konstruktives pädagogisches Klima geschaffen wird. Interessant, dass es  zunächst den MOOC-Hype brauchte, um diese „Innovation“ für Hochschulen attraktiv werden zu lassen.