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Team-Teaching

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Unser dreitägiges Blockseminar haben wir, Marion Lehner und Patrizia Kühner, i.S. des „Team Teachings“ gestaltet. An dieser Stelle möchten wir deshalb einige Überlegungen zu der Methode anbringen: Team-Teaching bedeutet nicht, dass wir „einfach“ die Lehrveranstaltung untereinander aufgeteilt haben, sondern vielmehr, dass wir allen Anforderungen an die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung im Team begegnet sind. Arbeitsteilung in allen Phasen ist ein wesentliches Merkmal von Team Teaching und wird oft als zentraler Vorteil dieser kooperativen Lehrform angeführt.

Folgende Aspekte erscheinen uns ausserdem über die Arbeitsteilung hinaus im Rückblick auf die Veranstaltung als relevant:

  •  In der Vorbereitung haben wir die Themen und Dramaturgie der Veranstaltung (z.B. hinsichtlich Methoden und Sozialformen) abgestimmt. Die verschiedenen Lehrerfahrungen und das unterschiedliche fachliche und methodische Wissen von uns beiden ermöglichte so eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Unterrichtsplanung und kreative Impulse bei der Gestaltung von Inhalten und Methoden. Insbesondere für interdisziplinäre Veranstaltungen (was bei uns jetzt nicht der Fall war) könnte unserer Meinung nach Team Teaching gewinnbringend sein, da damit der fachliche und methodische Diskurs stark angeregt wird. Durch die unterschiedlichen Sichtweisen haben wir uns wesentlich intensiver, aber eben auch länger mit Handlungsalternativen auseinandergesetzt. Deshalb ist zu berücksichtigen, dass  die Abstimmung der einzelnen Veranstaltungselemente im Voraus wesentlich zeitintensiver ist, als das der Fall bei einer Veranstaltung ist, die man alleine plant und durchführt.
  • Bei der Durchführung des Team Teachings konnten wir unterschiedliche Perspektiven und Methoden berücksichtigen. So haben die Lernenden nicht nur das methodisch-didaktische „Steckenpferd“ eines einzelnen Lehrperson präsentiert bekommen, sondern sie konnten auch unsere verschiedene Perspektiven auf ein Thema kennen lernen. Zwar hatten wir eine kleinere Gruppe von 15 Studierenden vor uns, aber gerade mit Blick auf Arbeiten in grösseren Veranstaltungen können wir uns vorstellen, dass mit Hilfe des Team Teachings eine intensivere Betreuung einzelner Studierenden gewährleistet werden kann und so die individuellen Lernprozesse gezielter gefördert werden können.
    Team Teaching erfordert überdies bei der Durchführung eine intensive Arbeit auf der Kommunikations- und der Beziehungsebene der Lehrenden. Zwar konnten wir uns im Unterrichtsgeschehen selbst gegenseitig punktuell entlasten und konnten so auch einmal in der Unterrichtssituation selbst Beobachter sein, oder uns einer Teilgruppe widmen. Damit dennoch ein schlüssiges Gesamtbild der Veranstaltung entstehen konnte, mussten wir unsere didaktischen Verhaltensweisen und Gewohnheiten auf die des anderen abstimmen. Dies ist bei den ersten „Gehversuchen“ in einer realen Team Teaching-Situation zunächst einmal ungewohnt und erfordert Geduld und Übung. Unsere These an dieser Stelle ist: Je öfter man zusammen arbeitet und unterrichtet, desto stimmiger wird auch das Handeln in der Team-Teaching-Situation.
  • Bei der Nachbereitung war es uns möglich, die Leistungen der Studierenden gemeinsam zu diskutieren und zu bewerten. Ausserdem konnten wir aufgrund des Feedbacks des Mitlehrenden eigene didaktische Handlungen reflektieren. Überdies konnten wir Beobachtungen zum Unterrichtskonzept und zur Durchführung zusammenführen und als umfassende Grundlage nutzen, die Lehrveranstaltung für kommende Semester weiterzuentwickeln. So kann Team Teaching in unseren Augen auch einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung einer Lehrveranstaltung leisten.

Insgesamt ist Team Teaching aus unserer Sicht ein Zugewinn auf fachlicher und persönlicher Seite des Lehrenden und kann ebenfalls Studierende in der Entwicklung ihres interdisziplinären und damit kritischen Denkens unterstützen. Aufgrund unserer Erfahrungen würden wir Hochschullehrenden empfehlen, diese etwas andere Art des Lehrens zu testen und so gegenüber der Weiterentwicklung der Lehrqualität offen und kritisch zu bleiben.

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Rückblick Sustainable University Day 2014

Am 28.03.14 haben wir als Projektteam am Sustainable University Day teilgenommen. Der erste seiner Art, der folgende Frage zum Thema gemacht hat: Wie kann nachhaltige Entwicklung in der Universität, insbesondere in Studiengängen verankert werden?

Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung nach Bern. Den Auftakt gestalteten fünf Workshops. Unter anderem der von Stephen Sterling und Karl Herweg. Dieser lässt sich unmittelbar mit unserem Projekt an der HSG  verbinden und wird in einem separaten Beitrag von Franziska Burkart vorgestellt.

Den Workshop „How to develop curricula for sustainable development: the case of Business Schools“ gestalteten Taiga Brahm und ich.

Frau Prof. Katrin Muff, Dean der Business  School Lausanne (BSL), eröffnete als Expertin den Workshop. Sie berichtete darüber, wie es gelungen ist, ein Curriculum für Sustainable Development an der BSL zu entwickeln. Eindrücklich war, dass jeder Kurs zu mindestens 10% Inhalte aus den Bereichen Verantwortung und Nachhaltigkeit enthalten muss. Zielführend bei der Implementierung war neben einem zukunftsgerichteten Mission Statement die Prozessgestaltung selbst: Ausgewählte und systematisch zusammengesetzte Teams entwickelten Umsetzungsmöglichkeiten. So konnten überzeugende Best-Practice-Beispiele generiert werden, die mit Hilfe von Peer-Reviews Eingang in den Umsetzungsprozess fanden.

Als vorteilhaft für die Umsetzung beschrieb Frau Muff unter anderem die Rahmenbedingung, dass es sich bei der BSL um eine kleine Hochschule mit vielen Beteiligten aus der betrieblichen Praxis handle, die um die praktische Relevanz von Nachhaltigkeit und Verantwortung wissen. Ausserdem sei das Selbstverständnis der Hochschule als ein Ort, an dem zukunftsrelevante Aspekte diskutiert und bearbeitet werden sollen, relevant für eine erfolgreiche Umsetzung. Eine vergleichbare Zielformulierung hat die HSG vorgenommen. Deshalb schlägt Frau Muff vor, diese noch stärker zu thematisieren, um Lehrende für das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zu gewinnen.

Die Teilnehmenden an der anschliessenden Diskussion zum aktuellen Stand unseren Projekts waren sehr vielfältig: Studierende und Professoren, wie auch Programmverantwortliche von universitären und außeruniversitären Einrichtungen beteiligten sich sehr rege an der Erörterung folgender Fragen:

  • Welche Kompetenzen benötigen wir für Sustainable Development? Inwieweit gibt es hierbei Unterschiede zwischen den Disziplinen? ‒ Erörterte Aspekte waren u.a. fächerübergreifende Kompetenzen, wie systemisches Denken sowie Werthaltungen und -diskussionen.
  • Welche Methoden setzen wir bereits ein, um die Studierenden anzuregen, über nachhaltige Entwicklung vertieft nachzudenken? Welche Rahmenbedingungen sind hierfür notwendig? ‒ Erörterte  Aspekte waren: Veranstaltungsformen, Lehrkompetenzen, Disziplinverständnis und Curriculumsgestaltung, um Themen interdisziplinär von Studierenden bearbeiten zu lassen.

Aus dem Nachmittagsprogramm möchte ich an dieser Stelle das Input-Referat von Herrn Prof. Stephen Sterling  hervorheben. An der Universität Plymouth setzt er sich für eine umfassende Verankerung des SD-Gedankens gemäss dem „4C-Model“ ein, das Franziska Burkart in ihrem Beitrag erläutert. Besondere und zweifache Herausforderung sieht er darin, dass die Einführung und Umsetzung des Sustainable-Developments-Gedankens ein strukturelles und organisationales Lernen bei allen Beteiligten der Hochschule fordert. Das Referat verdeutlichte gut, wie ein Projekt, wie das unsere, einen Beitrag zu einem wesentlich umfassenderen „institutional change process“ einer Hochschule darstellt, der alle universitären  Bereiche tangiert.

Ausblick möchte ich abschliessend auf den folgenden Sustainable University Day geben. Dieser wird im März 2015 an der Universität St. Gallen stattfinden. ‒ Wir freuen uns jetzt schon auf diesen Tag, der Forschenden, Interessierten und Betroffenen von Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule eine vielfältige Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und für Diskussionen gibt.

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Zwei Projekte – eine Herausforderung: Education for sustainable development an der Universität St.Gallen

 SD WordCloud

Die abgebildete Word-Cloud wird in diesem Beitrag dazu genutzt werden, zwei Projekte der Hochschulentwicklung vorzustellen, die die Zieldimension „Education for sustainable development“ teilen, die als aktuelle gesellschaftliche Leitidee in allen Bildungsbereichen diskutiert wird. In der Word-Cloud selbst ist die Begriffshäufigkeit der beiden Projektanträge visualisiert.

Die Lehre an einer Wirtschafts-Hochschule, in der diese beiden Projekte realisiert werden, erhält besondere Aufmerksamkeit, da die Anforderungen der wirtschaftlichen Praxis im Interesse einer globalisierten Gesellschaft verantwortungsvolle Führungskräfte verlangt.

In ihren Leitsätzen zur Verantwortung und Nachhaltigkeit bekennt sich die Universität St. Gallen zu der „Aufgabe, zur Bewältigung der Herausforderungen von Verantwortung & Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft beizutragen und deren Anforderung in alle unsere Aktivitäten zu integrieren“ und sind so unmittelbarer institutioneller Bezugspunkt für die vorgestellten Projekte.

1.)  Worin besteht die „Entwicklung“?

In beiden Projekten wird jeweils ein geeigneter Rahmen entwickelt, innerhalb dessen Kompetenzerwerb hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung ermöglicht wird.

Im ersten Projekt, geleitet von Frau Prof. Dr. Taiga Brahm, wird das bestehende BWL-Curriculum des Bachelors BWL der Universität St. Gallen dahingehend weiterentwickelt, dass Studierende eine Kompetenz hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung erwerben können. Im Gegensatz zu vielen existierenden Bildungsangeboten, die eine komplette Lehrveranstaltung dem Thema „Sustainable Development“ widmen, ist das Ziel dieses Projekts, Kompetenzerwerb hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung durch das gesamte Curriculm hinweg zu stärken. („Development of a Curriculum Integrating Sustainable Development in Management Education“) 

Im zweiten Projekt, geleitet von Frau Prof. Dr. Sabine Seufert, wird ein Toolkit entwickelt, das Lehrenden einen systematisierten Zugang zu Unterrichtsressourcen bietet. Mit diesen können sie in ihren Lehrveranstaltungen Kompetenzen hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung ihrer Studierenden entwickeln. Überdies wird es dieses Toolkit im Rahmen des Faculty Developments Lehrenden ermöglichen, sich über die Ressourcen auszutauschen und diese zu ergänzen. So wird ebenfalls die Entwicklung von Expertise über das Lehren von nachhaltiger Entwicklung ermöglicht. („Educational Sustainability Toolkit for Faculty“)

2.)  Was bedeutet „nachhaltig“?

Zur inhaltlichen Dimension ist der gemeinsame Ausgangspunkt in der Literatur meist das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung. Dieses sieht für alle Disziplinen eine möglichst gleichberechtigte und gleichzeitige Berücksichtigung von wirtschaftlichen, sozialen sowie ökologischen Zielen vor. Mit Blick auf die englischen Begrifflichkeiten kann man von den neuen „3Ps“ sprechen.Unbenannt2

Die beiden vorgestellten Projekte fokussieren darüber hinaus insbesondere Nachhaltigkeit in ihrer didaktischen Dimension. Durch die Förderung von kritischem Denken, interdisziplinärem Problemlösen und individueller Verantwortlichkeit, soll das inhaltliche Thema „Nachhaltigkeit“ auch tatsächlich nachhaltig in Lehren und Lernen implementiert werden.

3.)  Was soll bei der Gestaltung von Bildung hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung Berücksichtigung finden?

Gemeinsamer Ausgangspunkt beider Projekt ist die Entwicklung eines Verständnis über die ‒ nennen wir sie an dieser Stelle ‒ „Nachhaltigkeits-Kompetenz“ der Studierenden. Zu dieser gehört neben dem Wissen über Nachhaltigkeit auch, dass Studierende in der Zukunft ebenso nachhaltig handeln und schlussendlich eine entsprechende Einstellung entwickeln.

Prägend für beide Projekte ist die unmittelbare Entwicklung der Konzepte für bestehende und geplante Lehrveranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Lehrenden. Diskussionswürdige Aspekte zum Verständnis und dessen inhaltlicher und didaktischer Umsetzung können so im Gestaltungsprozess Berücksichtigung finden und weiter präzisiert werden.

Eine zusätzliche wichtige Austauschplattform im Gestaltungsprozess wird der Sustainable University Day sein. Alle Projekte, die im Rahmen des „Sustainable Development at Universities Programme“ der Schweizer Universitätskonferenz gefördert werden, wie auch die beiden vorgestellten, sind eingeladen, sich über ihre Vorhaben zur „Education for sustainable development“ auszutauschen. Sicherlich werden wir an dieser Stelle wieder berichten.

 

 

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DGfE Nachwuchstagung Bildung für nachhaltige Entwicklung

Rückblick auf die Nachwuchstagung des BNE Netzwerktreffens am 08./09.11. 2013 an der Uni Bern

Bei dem zweitägigen Treffen, bei dem ich am Samstag teilnehmen konnte, tauschten sich um die 30 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus, die sowohl theoretisch-konzeptionell als auch empirisch zu dem (weitum)spannenden Themenbereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, kurz „BNE“ forschen, welcher sich aus der gleichnamigen Weltdekade der Vereinten Nationen (2005-2014) ergibt.

Diskutiert wurde auf Grundlage von zwei Impulsreferaten über die Auffassungen (Dr. Di Giulio, Universität Bern) und evolutionstheoretischen Grenzen (Dr. Christine Schmidt, Universität Erlangen-Nürnberg) von „BNE“ sowie den Arbeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Letztere waren am zweiten Tag dem Aspekt des Kompetenzerwerbs gewidmet und zeigten zum einen auf, wo Prinzipien der Nachhaltigkeit verankert werden können (u.a. Lehrerbildung, Hochschullehre) und zum anderen, welche Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung als notwendig erachtet werden. Am Ende des Tages stand aber weniger die Konstitution einer einheitlichen Begrifflichkeit im Fokus als die Diskussion der verschiedenen Auffassungen. Gemeinsam war ihnen, dass sie meist – gemäss der Ursprünge der Diskussion – bei der Umweltbildung ansetzten und ihre Realisation mehrheitlich in Bildungskontexten zu naturwissenschaftlichen Disziplinen fanden (z.B. Biologie, Geografie).

Anknüpfungspunkt zu den Arbeiten der Hochschulentwicklung an der HSG kann der Transfer von erörterten Ideen und Fragestellungen in die Gestaltung ökonomischer Bildung sein. Hervorzuheben sind dabei die Projekte der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg zur Förderung des systemischen Denkens als Voraussetzung dafür, Fragen nachhaltiger Entwicklung überhaupt erörtern zu können. (Unter anderem wurde ein Messinstrument entwickelt, das systemisches Denken erfassen kann.) Die von Anna Sundermann vorgestellte Längsschnittstudie im Bachelor der Leuphana-Universität Lüneburg hat eine konkrete Anbindung zu unserer Arbeit an der HSG. In dieser wird die Wirkung der umfassenden Integration von Nachhaltigkeit in einem ersten gemeinsamen fächerübergreifenden Semester auf Einstellungen, Werte und Interesse der Studierenden untersucht. Sowohl Inhalte des sog. „Leuphana“-Bachelors als auch Ergebnisse über die Wirksamkeit könnten interessante Reflexionsfolien für unser  Veränderungsprojekt zur Integration von Sustainable Development im Bachelor BWL darstellen.

In diesem Zusammenhang beschäftigt uns weiter auch eine zentrale Fragestellung der Tagung, nämlich die nach der Relevanz von Werten in der Diskussion um BNE. Im abschliessenden World-Café der Tagung herrschte zu dieser Einigkeit darüber, dass – ähnlich wie bei Menschenrechten – Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht „wertfrei“ sein kann. – Für die Lehre stellt sich allgemein aber die grundsätzliche Frage, wie sie vor dem Ethos eines Indoktrinationsverbots (kein Aufzwingen von Meinungen durch Lehrende) mit diesem Sachverhalt umgehen kann, muss oder soll. – Sie wurde auch schon auf der Podiumsdiskussion zur Verantwortung und Nachhaltigkeit an der HSG im Oktober 2013 diskutiert und scheint eine Ursache für das oft „schwierige“ Image des Themas „Nachhaltigkeit“ zu sein, mit dem man bei Vorhaben zur konkreten Implementierung von BNE regelmässig konfrontiert ist.