Perspektiven auf Wandel: Conceptual Change, Change Management, Change Leadership – eine Synthese von Walter & Riegler

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Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Begriff „Wandel“ im Bezugsrahmen der pädagogischen Hochschulentwicklung. Werden Wandelprozesse von den Perspektiven der Kognitionswissenschaften, der Wissenschaftsgeschichte und der naturwissenschaftlichen Didaktik betrachtet, so lässt sich nach Walter und Riegler (2015, S.281) ein gemeinsames Element des Wandels feststellen: „Konzeptionen –menschliche Vorstellungen über unsere erfahrbare Umwelt“. Aber was bedeuten Konzeptionen in Bezug auf die Hochschullehre? Hier müssen einerseits Konzeptionen von Studierenden wie auch Konzeptionen von Lehrenden berücksichtigt werden. Nach Walter und Riegler (2015, S. 283ff) kann es sich bei den vorhandenen Konzeptionen auch um Fehlkonzepte oder Schwellenkonzepte handeln. Fehlkonzepte sind ganzheitlich betrachtet nicht mit wissenschaftlich gestützten Vorstellungen vereinbar und oftmals inkonsistent. Schwellenkonzepte hingegen können u.a. transformativ, integrativ, irreversibel und schwierig sein. Hierbei werden wissenschaftliche Konzeptionen in mitgebrachte Vorstellungen von z.B. Studierenden im Lernprozess integriert. Bei Lehrenden kann die Schwelle als Erschwernis angesehen werden, (erziehungs-)wissenschaftliche Konzeptionen anzunehmen und in der Lehre anzuwenden. Diese Fehl- oder Schwellenkonzepte können durch Selbstreflexion, Konfrontation (kognitive Konflikte), Kontakt mit alternativen Lehrkonzeptionen und Lehrpraxis sowie durch Commitment Building verändert bzw. weiterentwickelt werden. Um bei Studierenden einen Konzeptwandel ins Rollen zu bringen, bedarf es Lehrinnovationen, bei Lehrenden kann ein solcher Konzeptwandel durch hochschuldidaktische Qualifikation erreicht werden. (Walter & Riegler, S. 281ff)

Nach den Autoren ist es eine „zentrale Aufgabe von Lehre Studierende dabei zu unterstützen ihre Konzeptionen zu wandeln“ (Walter & Riegler, S. 286). Konzeptwandel kann somit als Kernaufgabe von Lehre angesehen werden. Welche Folgen entstehen dadurch für die Hochschulentwicklung und –didaktik? Wenn Fehl- oder Schwellenkonzeptionen von Studierenden nur dann verändert werden können, wenn auch bei den Lehrenden keine Fehl- oder Schwellenkonzepte bestehen, müssten dann nicht in jedem didaktischen Aus- und Weiterbildungskurs diese Konzeptionen im Mittelpunkt stehen? Wenn man „Conceptual Change“ beispielsweise mit einem Hausabriss vergleicht, reicht es nicht die obersten, leicht zugänglichen Mauern zu entfernen oder lediglich zu verändern. Das Haus würde etwas anders aussehen, aber nach wie vor auf dem bestehenden, ggf. instabilen Fundament existieren. Es müssen die tragenden Elemente, die Grundmauern erschüttert werden, um das Haus zum Einsturz zu bringen. In Analogie müssen also die Fehl-/Schwellenkonzeptionen von Lehrenden erschüttert werden, damit diese didaktische Aus- und Weiterbildungen annehmen und umsetzen können.

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