Archiv für den Monat: Januar 2016

Kurztagung „Prüfungen auf dem Prüfstand“ an der PHZH

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Am 14. Januar 2016 fand an der Pädagogischen Hochschule Zürich eine Tagung mit Fokus auf Prüfungen und Assessments im Hochschulbereich statt.

Nach der Begrüssung und Einführung von den Veranstalterinnen Dr. Franziska Zellweger (PH Zürich) und Lydia Rufer (Universität Bern – ZUW) folgte ein Inputreferat von Dr. Roland Tormey (ETH Lausanne) zum Thema „Assessment in Higher Education from different Perspectives“. Dieser Beitrag sensibilisierte die Teilnehmenden in Bezug auf die Fragen, worauf es bei Prüfungen ankommt, von welchen Prüfungsformen die Studierenden am meisten profitieren können und wie Lehre (hinsichtlich Assessment) mit neuen technologischen Tools wie z.B. Klicker gut verbunden werden kann.

Insbesondere zwei Punkte konnte ich mir von diesem Vortrag mitnehmen: 1) Studierende profitieren am stärksten von Feedback, um die eigenen Stärken und Schwächen erkennen und sich dadurch weiterentwickeln zu können. Gibt man hierbei allerdings zusätzlich Noten bekannt, wirkt sich dies eher hinderlich für das Feedback aus – warum? Weil die Studierenden es (leider) gewohnt sind, sich an Noten zu orientieren. Erhalten sie zum Beispiel eine gute Note, wird das Feedback sehr wahrscheinlich nicht mehr angesehen. 2) Durch das Einbinden von indirektem Feedback während der Lehrveranstaltung kann ein Bewusstsein für die Prüfungsform der Lehrveranstaltung geschaffen werden. Dadurch können die Studierenden besser einschätzen, was auf sie zukommen wird. Des Weiteren können sie sich selbst besser einordnen und Entwicklungs- oder Lernbedarf leichter erkennen. Um diese Art von Feedback in der Lehrveranstaltung einzubringen, können sogenannte Klicker eingesetzt werden. Diese ermöglichen nicht nur den Lehrenden Fragen im Plenum an die Studierenden zu stellen, um zu sehen, ob Inhalte verstanden wurden, sondern auch den Studierenden anonym und ohne Angst vor Misserfolg ihre Antwort mitzuteilen und gleichzeitig Feedback auf ihr eigenes Lernen zu erhalten.

Anschliessend habe ich den Workshop „Leistungsnachweis konkret- Assessmentklinik“ besucht. Dieser wurde von verschiedenen Expert/innen begleitet und von Lydia Rufer (Universität Bern – ZUW) moderiert. Für jedes Prüfungsformat gab es ein Tisch mit einem Experten oder einer Expertin. Da man sich selbst seinen Prüfungsschwerpunkt aussuchen konnte, entschied ich mich für Projekte und praktische Prüfung, da ich mit diesem Bereich bisher am wenigsten Erfahrung habe. In einer Gruppe von fünf Personen und Moderation durch Sabrina Strazny (Universität Bern – ZUW) konnten persönliche Erfahrungen, aktuelle Fragen und Probleme wie auch zukünftige Vorhaben angesprochen und diskutiert werden. So kam ein spannender Austausch unterschiedlicher Hochschulen zustande, von welchem sicher jeder von uns etwas mitnehmen konnte. Die dadurch entstandene Take-Home-Message war, dass die Prüfung nie unabhängig von Ressourcen und Lehr-/Lernzielen angesehen werden kann.

Das Thema „Prüfungen“ ist also durchaus komplex und steht im Zwiespalt Leistungsökonomisierung und individueller Entwicklung, immer in Verbindung mit vorhandenen Ressourcen und dies auf universitärer, studienprogrammbezogener wie auch lehrveranstaltungsbezogener Ebene.

Dietrich Wagner_Blog

Diskursive Studiengangentwicklung von Gerholz & Sloane (2015)

Teil 2: Aus welchen Elementen besteht das Modell der „Diskursiven Studiengangentwicklung“?

Im ersten Blogbeitrag zur „Diskursiven Studiengangentwicklung“ wurde die Entwicklung des Modells und Argumente dafür beschrieben. Der zweite Teil zielt darauf ab, die einzelnen Elemente des Ansatzes zu skizzieren und den Prozess der Studiengangentwicklung detaillierter zu beschreiben.

Da Studiengangentwicklung ein sozialer Prozess ist, der in eine Organisation mit spezifischen Bedingungen eingebettet ist, braucht es Diskurse um Studiengangentwicklung erfolgreich durchzuführen. Dafür müssen Diskursräume geschaffen und Austauschprozesse initiiert und ermöglicht werden. Um diese Austauschprozesse zu strukturieren, braucht es eine Themenstruktur, die den Prozess der Studiengangentwicklung in eine Form bringt, und damit besser plan- und beherrschbar macht. Eine solche Themenstruktur liefert die „Diskursive Studiengangentwicklung“. Die Themenstruktur besteht aus der Ebene des Studiengangs, der Ebene der Module und eines Kontextes innerhalb und außerhalb des Bildungssystems.

  • Die Ebene der Module ist in der Verantwortung der einzelnen Lehrenden und soll dem Bedürfnis der Autonomie Rechnung tragen.
  • Die Ebene des Studiengangs bildet den Kern der „Diskursiven Studiengangentwicklung“. Hier soll in den Schritten „Curriculumkonzeption“, „Modulentwicklung“, „Sequenzierung der Module“ und „Evaluation und Revision“ eine kohärente Studiengangstruktur entwickelt werden, die auch eine Steuerungs- und Regulationsfunktion für die Modulebene übernimmt. Den übergeordneten Rahmen auf dieser Ebene bildet das Leitbild des Studiengangs.

Die beschriebenen Schritte sind dabei nicht als linearer Prozess zu betrachten, sondern als dynamische Wechselbeziehungen mit Rückkoppelungen zu sehen. Die einzelnen Schritte auf Studiengangebene werden im Beitrag von Gerholz & Sloane genauer beschrieben und mit Leitfragen versehen.

Das Konzept der „Diskursiven Studiengangentwicklung“ berücksichtigt vor allem die sozialen Prozesse der curricularen Arbeit und nimmt besonders die gelebte Realität in der Fakultät in den Blick. Mithilfe dieses Ansatzes lassen sich von vornherein Anknüpfungspunkte für die curriculare Arbeit bestimmen und Herausforderungen im Prozess antizipieren. Die Leitfragen zu den einzelnen Prozessschritten liefern zudem gute Startpunkte für die Studiengangentwicklung.

Mich persönlich würde sehr interessieren, ob und inwieweit dieser Prozess bereits in der curricularen Arbeit an der Universität Paderborn umgesetzt wurde und welche Erfahrungen es aus der Erprobung gibt.

Dietrich Wagner_Blog

Diskursive Studiengangentwicklung von Gerholz & Sloane.

Teil 1: Warum braucht es „Diskursive Studiengangentwicklung“?

Besonders am Konzept der „Diskursiven Studiengangentwicklung“ ist, dass die sozialen Prozesse zwischen den Beteiligten explizit thematisiert und die gegebenen Kontextbedingungen des Studiengangs betrachtet werden. Gerholz und Sloane von der Universität Paderborn entwickeln das Konzept, indem sie Studiengangentwicklung aus verschiedenen Perspektiven betrachten, und aus jeder Perspektive passende Teilaspekte für das Konzept übernehmen.

Aus curricularer Perspektive verweisen sie zwei auf Modelle, die beschreiben, wie Curriculumentwicklung funktionieren kann. Gerholz und Sloane sehen das technokratische-Modell, das Studiengangentwicklung als linearen Prozess mit festen Vorgaben sieht, die von allen umgesetzt werden, kritisch. Somit stützen sie ihre Argumentation auf das soziale Curriculum Modell. Bei diesem Modell sind die (sozialen) Prozesse der curricularen Arbeit interessant. Der Bildungsprozess wird hier durch die Deutung des Curriculums von den Anwendern und die internen und externen Kontextbedingungen, z.B. Bedingungen an der Universität, beeinflusst.

Die Autoren betrachten Studiengangentwicklung auch aus organisationstheoretischer Perspektive. Hier gilt die „Fakultät“ als Kernelement der Studiengangentwicklung und muss deshalb genauer betrachtet werden. Dafür führen die Autoren eine Einzelfallstudie durch, die näher beschreiben soll, wie die einzelnen Akteure die Fakultät wahrnehmen. Aus der Studie lassen sich zwei Kernergebnisse ableiten:

  1. Zunächst wird die Fakultät als kooperative Autonomie in situativen Settings gesehen. Das bedeutet, dass Akteure in der Fakultät für Lehre und Forschung Autonomie beanspruchen, aber auch bereit sind, miteinander zu kooperieren, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
  2. Weiterhin können die Prozesse in der Fakultät auch als kollegiale Konsensfindung in der politischen Arena charakterisiert werden. Dabei agieren verschiedene Interessengruppen, auch vor dem Hintergrund politischer und nicht nur kollegialer Aushandlungsprozesse, wobei nicht immer die Optimierung der Qualität und Kohärenz des Studiengangkonzepts im Mittelpunkt steht.

Alle bisher beschriebenen Konzepte und Beobachtungen fließen in das Rahmenkonzept der „Diskursiven Studiengangentwicklung“ ein. Curriculare Arbeit ist somit ein sozialer Prozess zwischen Akteuren und in den gegebenen Kontextbedingungen. Aus der organisationstheoretischen Betrachtung kann abgeleitet werden, dass curriculare Arbeit die Freiheiten der beteiligten Akteure erhalten muss, aber auch einen Rahmen bieten sollte, um systematische Studiengangentwicklung durchzuführen und soziale Prozesse, auch im Hinblick auf mikropolitische Aushandlungsprozesse, zielführend zu strukturieren. Für eine erfolgreiche Studiengangentwicklung unter diesen Bedingungen entwickeln Gerholz und Sloane das Modell der „Diskursiven Studiengangentwicklung“. Die Elemente des Modells und ihr Zusammenspiel werden in einem späteren Blogbeitrag näher beschrieben.

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Pädagogische Hochschulentwicklung – Von der Programmatik zur Implementierung

Seit mittlerweile sechs Jahren arbeitet das Team der Hochschulentwicklung der Universität St. Gallen – seit 2015 CEDAR – Competence Centre for Educational Developement and Research benannt – am und mit dem Ansatz der pädagogischen Hochschulentwicklung. Das Modell der pädagogischen Hochschulentwicklung umfasst drei Ebenen / Handlungsfelder

  1. Lernumgebungen
  2. Studienprogramme und
  3. Organisation.

Wie aus der Graphik ersichtlich wird, werden ausgehend von den strategischen Zielen für Lehre und Studium einer Hochschule die drei Handlungsfelder bearbeitet. Das Modell verdeutlicht, dass durch die Bearbeitung einer Ebene jeweils auch die anderen Ebenen mit in den Blick zu nehmen sind. Auf diese Weise kann ein Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Lehre an den Hochschulen geleistet werden. Unabhängig davon, auf welcher Ebene eine Initiative zur Weiterentwicklung von Lehre und Studium initiiert wird, handelt es sich dabei i. d. R. um einen Veränderungsprozess, so dass Change Management und Change Leadership als zugrunde liegende Prinzipien im Zentrum des Modells stehen.

Brahm_Jenert_Euler_1Im vergangenen Jahr ist – in Zusammenarbeit mit vielen Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Hochschulen ein Sammelband zur „Pädagogischen Hochschulentwicklung“ entstanden, der von Tobias Jenert, Dieter Euler und mir herausgegeben wurde.

paed-hse-sammelbandIm Sammelband wird in einem Überblicksartikel das Modell der pädagogischen Hochschulentwicklung ausführlich hergeleitet und beschrieben. Den Kern des Buches bilden die Erörterung und Reflexion von vielfältigen Initiativen zur Weiterentwicklung des Lehrens und Lernens an den Hochschulen. Alle beschriebenen Initiativen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mindestens zwei der Ebenen im Modell miteinander verschränken. Das Buch bietet somit spannende Einblicke in die Umsetzung der pädagogischen Hochschulentwicklung. Aus diesem Grund werden Kollegen/-innen von CEDAR in den nächsten Woche von ihnen selbst ausgewählte Beiträge aus dem Buch hier im Blog vorstellen.

Das gesamte Buch und einzelne Kapitel daraus können über Springerlink  an vielen Hochschulen heruntergeladen werden. Es ist natürlich auch als ebook oder SoftCover im Buchhandel erhältlich.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren für die gute Zusammenarbeit!