PortraitStreamer

Rückblick auf den Tag der Lehre an der Dualen Hochschule Mosbach

Am 23.10.2014 nahmen Tobias Jenert und ich am Tag der Lehre der Dualen Hochschule (DH) Mosbach zu dem Thema „Qualifizierung von Studierenden im Student-Life-Cycle“  teil. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie vor dem Hintergrund zunehmender Heterogenität von Studienanfängern, adäquate Qualifizierungsangebote geschaffen werden können. Die Zielgruppe war deshalb sehr heterogen: Neben Lehrverantwortlichen der DHBW- und anderen Hochschulen, waren auch Vertreter aus den umliegenden Gymnasien und Personalverantwortliche aus den Kooperationsunternehmen geladen.

Die erste Keynote am Vormittag „Unterstützung ohne Ende und autonomes Lernen: Passt das zusammen?“ von Prof. Dr. Thilo Harth rückte die interessante Frage in den Vordergrund, ob zu viel Unterstützungsangebote (wie etwa Vorkurse, separate Prüfungstrainings etc.) nicht genau das Gegenteil von der allgegenwärtigen Vorstellung der Bildung eines selbstständigen Studierenden bezweckt. Obwohl die angeführten Antithesen („Fachwissen vs. außerfachliches Wissen“, „traditionelle vs. virtuelle Lernsettings“ sowie „alte vs. neue Lernorte“) in Ihrer Erörterung nicht besonders trennscharf waren, konnte er mit diesen doch kritische Fragen bzgl. Lehr- und Prüfungsgestaltung aufwerfen. Z.B. Warum evaluieren Prüfungsformen vor allem Fachwissen und nicht überfachliche Kompetenzen? oder: Besteht eine Gefahr des cognitve overloads, wenn virtuelle Lernmöglichkeiten wachsen, die Zeit zum Lernen aber nicht?

Das Tagungsprogramm für die Sessions am Nachmittag lehnte sich entsprechend des Themas an die Phasen des Studiums an. Tobias und ich stellten in der Session „Qualifizierung in der Studieneingangsphase II: themenspezifische Einzelveranstaltungen zur Studiums-Vorbereitung“ die qualitative Forschung zum Einstellungsprojekt vor: Mit der Vorstellung der Auswertung der längsschnittlichen Interviewstudie konnten wir begründet Thesen zur Enkulturationsprozessen von Wirtschaftsstudierenden im ersten Jahr an der Universität St. Gallen darstellen. So wollten wir aufzeichnen, wie und weshalb es Studierenden gelingt oder misslingt, „ihren Platz“ an der Universität zu finden und welche Implikationen das vor allem für die Lehre hat. Für die HSG konnten wir konkret eine Vielzahl geplanter und nicht-geplanter Ereignisse im ersten Studienjahr identifizieren, die entscheidend für die Motivations- und Einstellungsentwicklung gegenüber dem Studium sind. Prüfungsereignisse waren zum Beispiel die bedeutendsten.

Trotz der scheinbar unterschiedlichen Beiträge in unserer Session ‒ es folgten die Vorstellung der Vorkurse Mathematik und Englisch der DH Villingen-Schwennigen sowie das „Starterkit“ der DH Mosbach ‒ war die Feststellung solcher Ereignisse in unseren Augen doch der gemeinsame Bezugspunkt der Session: Anforderungen und Angebote von Hochschulen werden geschaffen, ohne zuvor systematisch abzuschätzen, wie diese (auch in deren Kombination) auf Studierende wirken. Fragen wie „Sorgen Vorkurse mit der Intention Studierende zu unterstützen nicht noch mehr für eine ‚Konsumentenhaltung’ bei den Studierenden?“ oder „Passen diese Angebote mit den späteren Leistungsvoraussetzungen in der Lehrveranstaltung?“ drängten sich auf. ‒ Eindeutig in allen Beiträgen war, dass die Studieneingangsphase eine prägende ist und ihr damit besondere Bedeutung zukommen sollte. Bei ihrer Ausgestaltung wird es aber nicht DIE Antwort für DIE/DEN Studierende/n an sich geben.

Es war eine vielfältige Veranstaltung, von der wir in diesem Rahmen nur in Ausschnitten berichten. Alles in allem haben wir uns in Mosbach sehr wohl gefühlt und konnten interessante Einsichten – auch in das System Duale Hochschule ‒ gewinnen!

2 Gedanken zu „Rückblick auf den Tag der Lehre an der Dualen Hochschule Mosbach

  1. Taiga Brahm

    Vielen Dank für diesen spannenden Beitrag!
    Die in der Keynote aufgeworfenen Fragen finde ich ebenfalls sehr spannend. In der Folge stellt sich mir die Frage, wie wir Lehre so gestalten können, dass die Studierenden sich nicht allein gelassen fühlen, aber dennoch die Kompetenz zum selbständigen Lernen und Arbeiten nicht verloren geht. Die Konsum(enten)haltung der Studierenden, die häufig als Problem konstatiert wird, erscheint mir hier fast als Deckmantel für die Herausforderungen, die sich an den Hochschulen stellen.

    Antworten
    1. Dietrich Wagner

      Ich finden den Beitrag auch sehr spannend, auch weil er sich mit einem sehr relevanten Thema beschäftigt und gute Fragen stellt.
      Ich stufe die Aussage, dass Vorkurse Studierende eher in eine Konsumentenhaltung zwingen eher kritisch ein. Dieses Phänomen kommt mit Sicherheit vor, aber in meiner Vorstellung sollen diese Kurse vor allem dazu dienen Wissen und Fertigkeiten aufzubauen, die notwendig sind um durch das Studium zu kommen. Sie dienen auch dem „Angstabbau“ bei vielen Studierenden, die sich z.B. für einen Mathevorkurs in den Wirschaftswissenschaften anmelden, weil sie befürchten sonst nicht klar zu kommen. Wenn man an dieser Stelle auf diese Kurse verzichtet geht ggf. viel Sicherheit verloren und das so wichtige erste Jahr ist teilweise von z.B. Angst vor Mathematik geprägt. Wie man die Kurse so ausgetalten kann, dass sie die Studierenden aktivieren und Eigeninitiative und Eigenleistung fordern ist eine andere Frage.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*