Archiv für den Monat: Oktober 2014

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Rückblick DocNet-Symposium „Business School 2030“

Am 10.10.2014 habe ich an dem 12. DocNet-Symposium zu dem Thema „Business School 2030. Tailor-made responsible leaders or mass-produced corporate slaves?“ teilgenommen.

Die Keynote Speakers waren vielfältig, was eine kontroverse Darstellung der Herausforderungen und Möglichkeiten für Business Schools der Zukunft vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an zukünftige Führungspersönlichkeiten in einer zunehmend komplexen betrieblichen und sozialen Umwelt ermöglichte. Die Keynotes beinhalteten konkrete Bilder eines zukünftigen Business School-Absolventen und mehr oder weniger konkretisierte Wege dorthin:

Prof. Dr. Thomas Dyllick sprach zu seinem Buch „Management Education for the World“, eingeleitet durch den dazugehörigen Film. Seine wesentlichen Forderungen lassen sich mit den „3E´s“ zusammenfassen: „educating and devoloping global leaders“, „enabling organizations to serve the common good“ und „engaging in the transformation of business and economy“. Eine methodische Umsetzung ist das “Collaboratory”.

Dany Kielholz von KSP stellte die Idee seiner Marketing-Agentur vor, Nachhaltigkeit als neue Dimension in Kommunikation und Markenführung zu nutzen. Zwei zentralen Thesen waren, dass es einen Wertewandel gibt und dass der Leitgedanke „green, clean, fair, true & sexy“ die eigene Identität der Agentur sowie die ihrer Dienstleistungen spiegelt. Sein Beispiel eines coop-Werbespots, zeigt bspw., wie das Thema in der Kommunikationspolitik aufgegriffen werden und damit vor allem eine emotionale Ansprache des Publikums erfolgen kann.

– Karin Sahr von Ernst & Young gab einen Einblick in die Beratungspraxis: Sie arbeitet mit der an der Universität St.Gallen entwickelten Public Value Scorecard. Ausschlaggebend bei der Beratung von Unternehmen ist besonders deren „readiness“ für das Thema „public value“, was wesentlich von der wirtschaftlichen Lage und den Einstellungen der Führungspersönlichkeiten abhängt (nach dem Motto: „Können und wollen wir uns das leisten?“). Aus ihrer Arbeit zieht sie ein metaphorisches Fazit (angelehnt an die Antithese von Isaiah Berlin), dass Business Schools mehr „Füchse“ anstatt Igel ausbilden sollten: Im Gegensatz zum Igel, der einer Logik folgt, kann der Fuchs mit unterschiedlichen Perspektiven umgehen und damit in einer zunehmend komplexen Wirtschafts- und Umwelt bestehen. Hierzu muss der Fuchs in seiner Ausbildung verschiedene Perspektiven und Tools kennenlernen.

Prof. Matt Stattler von der NYU Stern referierte darüber, wie „practical wisdom“ anstelle von reiner Wissenschaft i.S. einer wissensbasierten Theorie an einer Business School gelernt werden kann. Zum einen ist es wichtig, Wissenschaft nicht als „amoralisch“ und damit Ethik nicht als einen Zusatz anzusehen. Zum anderen sollten auch Empathie oder emotionale Intelligenz durch reflexive Auseinandersetzungen mit einem Thema sowie praktische Lerngelegenheiten gefördert werden.

– Gary Steel, früherer Verantwortlicher für das globale HR bei ABB, sprach über die Anforderungen künftiger Führungskräfte: mit Komplexität in Entscheidungsprozessen umgehen, Dilemmas ergründen und ethische Fragestellungen beantworten. Zukünftige Führungskräfte zeichnen sich seiner Meinung nach deshalb insbesondere durch folgende Merkmale aus: kritisch sein, Mut haben, neugierig und empathisch sein. Simulationen sind für ihn das passende Vehikel der Lehre.

Der Punkt, den ich in diesem Beitrag zur Diskussion stellen möchte, ist, dass die verbalen und medialen Beiträge mit werthaltigen Begrifflichkeiten und Vorstellungen von zukünftigen Führungskräften und den Hochschulen, an denen sie ausgebildet werden, aufgeladen waren: engagment, empathy, fairness, courage usw. – Begriffe, die insbesondere Einstellungen adressieren und Emotionen wecken.

Emotionalität kann – wie beim Marketing-Beispiel ‒ sicher Türöffner für Themenbereiche wie „Verantwortung“ oder auch „Nachhaltigkeit“ sein, kann aber auch Türen zufallen lassen, wenn der (oftmals nicht intendierte) Eindruck erweckt wird, den „moralischen Zeigefinger“ heben zu wollen. Das ist sicher eine relevante Herausforderung im Diskurs um Business Schools im Jahr 2030.

Jahrestagung der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik der deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE)

Dietrich Wagner

Vom 24. September – 26. September besuchten Taiga Brahm, Patrizia Kühner und ich die Jahrestagung der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik der DGfE. Die Tagung fand in der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd statt, die zwar etwas abseits des Stadtzentrums, aber dennoch sehr schön mit Blick auf die Kaiserberge in der Schwäbischen Alb gelegen ist.

Die Konferenz war zweigeteilt, wobei am Mittwoch ein ganzer Nachmittag für die „Young Researcher“ reserviert war. In diesem Rahmen gab es die Möglichkeit Dissertationsvorhaben vorzustellen und sich über noch ungelöste Fragen auszutauschen. Es war spannend zu sehen mit welchen Fragen sich andere Doktoranten beschäftigen und welche Herausforderungen dabei auftreten. Ausserdem wurde mir bewusst wie wertvoll Feedback und kritisches Nachfragen von anderen Forschern bei der Realisierung eines Forschungsprojektes sein kann.

Die Hauptkonferenz wurde offiziell am Donnerstag mit einer Keynote von Prof. Dr. Stefan Wolter von der Universität Bern eröffnet. Prof. Wolter referierte darüber welche Einflussfaktoren und Mechanismen den Lehrstellenmarkt von der Angebots- und Nachfrageseite beeinflussen können und welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind.

Der Rest der Konferenz war in moderierten Sessions organisiert, in denen thematisch ähnliche Forschungsprojekte vorgestellt und diskutiert wurden. Alle besuchten Vorträge waren interessant und inspirierend, zwei für mich besonders spannende Vorträge will ich ein bisschen näher beschreiben:

Dr. Sebastian Lerch von der Universität in Bamberg beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Konstrukt der Selbstkompetenz, wobei er sich in seiner Forschung die Frage gestellt hat, was Selbstkompetenz ist und wie sie sich auswirkt. Die erste Frage lässt sich seiner Meinung nach, selbst nach ausführlicher Auseinandersetzung, nicht abschliessend beantworten, da noch nicht mal klar ist, ob es eine Selbstkompetenz im Singular gibt oder ob es viele verschiedene andere Kompetenzen sind, die unter dem Begriff „Selbstkompetenz“ zusammengefasst werden. Seine Antwort auf die Frage nach der Wirkung der Selbstkompetenz offenbarte eine für mich noch nie beachtete, aber sehr spannende, Sichtweise auf das Thema. Sein abschliessendes Fazit war: „Die Auflösung des Selbst ist Teil von Selbstkompetenz“. Dr. Lerch versucht damit zu beschreiben, wie der einzelne seine Identität und seine Besonderheiten zugunsten einer Anpassung an die ökonomischen Herausforderungen aufgibt. Damit trägt die Förderung von Selbstkompetenz zu einer Erosion der Identität des Einzelnen bei.

Prof. Dr. Thomas Bienengräber von der Universität Duisburg-Essen referierte über die These, dass das moralische Urteil eines Menschen nicht von einem allgemeinen moralischen Prinzip abhängt, das das Individuum in sich trägt, wie Prof. Kohlberg das beschrieben hat. Auch sind nach Prof. Bienengräber die verschiedenen Lebensbereiche wie z.B. Arbeit oder Freundeskreis nicht ausschlaggebend für das moralische Urteil, wie Prof. Klaus Beck das in seinen Forschungen herausarbeitet. Vielmehr hängt das Urteil von den speziellen Parametern einer Situation ab, die unabhängig von einem bestimmten Lebensbereich bzw. einer bestimmten Rolle sind. Prof. Bienengräber versucht damit in seiner Forschung Alternativen zu den bisherigen Ansätzen über das moralische Urteilen aufzuzeigen.  Dafür wird der Begriff der Situation genau definiert und herausgearbeitet, welche Gestaltungselemente eine Situation haben kann. In seiner Forschung legt Prof. Bienengräber seinen Probanten zwei Dilemmasituationen vor, die aus verschiedenen Lebensbereichen kommen, aber die gleichen situativen Elemente enthalten und prüft damit nach, ob die Probanden in beiden Fällen das gleiche Urteil fällen. Es liegen zwar schon erste Forschungsergebnisse vor, allerdings sind diese bisher noch nicht eindeutig und liefern deshalb keine Evidenz für oder gegen die vorgestellte These.

Es war sehr spannend von den Projekten anderer Forscher zu hören und sich in Themenbereiche reinzudenken, die man bisher nur oberflächlich betrachtet hat. Darüber hinaus konnte ich neue Kontakte knüpfen und bestehende vertiefen, was die Konferenz für mich noch wertvoller gemacht hat.