Archiv für den Monat: April 2014

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Rückblick: Friday Lecture an der Universität Wien

Anfang März war ich eingeladen, eine Friday Lecture zum Thema „Kompetenzorientierte Entwicklung von Studien“ an der Universität Wien zu halten. Die Friday Lectures werden organisiert vom Center for Teaching and Learning (CTL) der Universität Wien und ca. fünfmal pro Semester angeboten. Sie drehen sich um verschiedene Themen zum Lehren und Studieren.

In meinem Vortrag habe ich die Grundhaltung der Kompetenzorientierung aufgegriffen und anhand von drei Fallvignetten Möglichkeiten der kompetenzorientierten Gestaltung von Studiengängen illustriert.

In den Fallvignetten wurden folgende drei Aspekte vertieft:

  • Kompetenzorientierte Formulierung von Lernzielen
  • Kompetenzorientierte Gestaltung von Lehrveranstaltungen und Studienprogrammen
  • Kompetenzorientiertes Prüfen

Entsprechend hat folgendes Ordnungsraster, das in Teilen auf dem Fachgutachten zur Kompetenzorientierung von Niclas Schaper, Universität Paderborn, basiert, den Vortrag geleitet:

kompetenzorientierte-studiengangsentwicklung

Sehr spannend waren die Diskussionen, die nach jeder Fallvignette mit dem Publikum geführt wurden. Dabei wurde beispielsweise von der Erfahrung in Beratungen berichtet, dass kompetenzorientierte Lernziele trotz allem administrativen Aufwand, der mit ihrer Formulierung einhergeht, ein gutes Gerüst für die Lehrpersonen bieten, um über ihre Veranstaltungen und deren Ergebnisse zu reflektieren. Gleichzeitig wurde auch immer wieder angemerkt, dass die Motivation der Lehrenden für die Weiterentwicklung ihrer Veranstaltungen ausschlaggebend ist, damit Kompetenzorientierung ihr Potenzial entfalten kann und dass die Übersetzung der didaktischen Modell in die Lehrpraxis für alle Beteiligten eine Herausforderung darstellt.

Meine Quintessenz im Vortrag war – ausgehend von unseren Erfahrungen – , dass im Rahmen der Studiengangsentwicklung ein Prozess geleitet von zielgruppenorientierten Leitfragen (anstelle von Kompetenzmodellen) erfolgsversprechend ist. Auf diese Weise streben wir an, die Diskussion mit den Vertretern/-innen der Studienprogramme auf Augenhöhe und in ihrer Sprache zu führen, anstelle sie mit didaktischen Modellen zu überladen. Letztlich münden die Diskussionen dann doch in einem Kompetenzmodell, das aber eher über einen indirekten Weg entsteht. Für uns ist das im Moment der angemessene Weg, um nachhaltig zur Weiterentwicklung unserer Studiengänge beizutragen.

Team-Teaching

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Unser dreitägiges Blockseminar haben wir, Marion Lehner und Patrizia Kühner, i.S. des „Team Teachings“ gestaltet. An dieser Stelle möchten wir deshalb einige Überlegungen zu der Methode anbringen: Team-Teaching bedeutet nicht, dass wir „einfach“ die Lehrveranstaltung untereinander aufgeteilt haben, sondern vielmehr, dass wir allen Anforderungen an die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung im Team begegnet sind. Arbeitsteilung in allen Phasen ist ein wesentliches Merkmal von Team Teaching und wird oft als zentraler Vorteil dieser kooperativen Lehrform angeführt.

Folgende Aspekte erscheinen uns ausserdem über die Arbeitsteilung hinaus im Rückblick auf die Veranstaltung als relevant:

  •  In der Vorbereitung haben wir die Themen und Dramaturgie der Veranstaltung (z.B. hinsichtlich Methoden und Sozialformen) abgestimmt. Die verschiedenen Lehrerfahrungen und das unterschiedliche fachliche und methodische Wissen von uns beiden ermöglichte so eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Unterrichtsplanung und kreative Impulse bei der Gestaltung von Inhalten und Methoden. Insbesondere für interdisziplinäre Veranstaltungen (was bei uns jetzt nicht der Fall war) könnte unserer Meinung nach Team Teaching gewinnbringend sein, da damit der fachliche und methodische Diskurs stark angeregt wird. Durch die unterschiedlichen Sichtweisen haben wir uns wesentlich intensiver, aber eben auch länger mit Handlungsalternativen auseinandergesetzt. Deshalb ist zu berücksichtigen, dass  die Abstimmung der einzelnen Veranstaltungselemente im Voraus wesentlich zeitintensiver ist, als das der Fall bei einer Veranstaltung ist, die man alleine plant und durchführt.
  • Bei der Durchführung des Team Teachings konnten wir unterschiedliche Perspektiven und Methoden berücksichtigen. So haben die Lernenden nicht nur das methodisch-didaktische „Steckenpferd“ eines einzelnen Lehrperson präsentiert bekommen, sondern sie konnten auch unsere verschiedene Perspektiven auf ein Thema kennen lernen. Zwar hatten wir eine kleinere Gruppe von 15 Studierenden vor uns, aber gerade mit Blick auf Arbeiten in grösseren Veranstaltungen können wir uns vorstellen, dass mit Hilfe des Team Teachings eine intensivere Betreuung einzelner Studierenden gewährleistet werden kann und so die individuellen Lernprozesse gezielter gefördert werden können.
    Team Teaching erfordert überdies bei der Durchführung eine intensive Arbeit auf der Kommunikations- und der Beziehungsebene der Lehrenden. Zwar konnten wir uns im Unterrichtsgeschehen selbst gegenseitig punktuell entlasten und konnten so auch einmal in der Unterrichtssituation selbst Beobachter sein, oder uns einer Teilgruppe widmen. Damit dennoch ein schlüssiges Gesamtbild der Veranstaltung entstehen konnte, mussten wir unsere didaktischen Verhaltensweisen und Gewohnheiten auf die des anderen abstimmen. Dies ist bei den ersten „Gehversuchen“ in einer realen Team Teaching-Situation zunächst einmal ungewohnt und erfordert Geduld und Übung. Unsere These an dieser Stelle ist: Je öfter man zusammen arbeitet und unterrichtet, desto stimmiger wird auch das Handeln in der Team-Teaching-Situation.
  • Bei der Nachbereitung war es uns möglich, die Leistungen der Studierenden gemeinsam zu diskutieren und zu bewerten. Ausserdem konnten wir aufgrund des Feedbacks des Mitlehrenden eigene didaktische Handlungen reflektieren. Überdies konnten wir Beobachtungen zum Unterrichtskonzept und zur Durchführung zusammenführen und als umfassende Grundlage nutzen, die Lehrveranstaltung für kommende Semester weiterzuentwickeln. So kann Team Teaching in unseren Augen auch einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung einer Lehrveranstaltung leisten.

Insgesamt ist Team Teaching aus unserer Sicht ein Zugewinn auf fachlicher und persönlicher Seite des Lehrenden und kann ebenfalls Studierende in der Entwicklung ihres interdisziplinären und damit kritischen Denkens unterstützen. Aufgrund unserer Erfahrungen würden wir Hochschullehrenden empfehlen, diese etwas andere Art des Lehrens zu testen und so gegenüber der Weiterentwicklung der Lehrqualität offen und kritisch zu bleiben.

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Rückblick Sustainable University Day 2014

Am 28.03.14 haben wir als Projektteam am Sustainable University Day teilgenommen. Der erste seiner Art, der folgende Frage zum Thema gemacht hat: Wie kann nachhaltige Entwicklung in der Universität, insbesondere in Studiengängen verankert werden?

Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung nach Bern. Den Auftakt gestalteten fünf Workshops. Unter anderem der von Stephen Sterling und Karl Herweg. Dieser lässt sich unmittelbar mit unserem Projekt an der HSG  verbinden und wird in einem separaten Beitrag von Franziska Burkart vorgestellt.

Den Workshop „How to develop curricula for sustainable development: the case of Business Schools“ gestalteten Taiga Brahm und ich.

Frau Prof. Katrin Muff, Dean der Business  School Lausanne (BSL), eröffnete als Expertin den Workshop. Sie berichtete darüber, wie es gelungen ist, ein Curriculum für Sustainable Development an der BSL zu entwickeln. Eindrücklich war, dass jeder Kurs zu mindestens 10% Inhalte aus den Bereichen Verantwortung und Nachhaltigkeit enthalten muss. Zielführend bei der Implementierung war neben einem zukunftsgerichteten Mission Statement die Prozessgestaltung selbst: Ausgewählte und systematisch zusammengesetzte Teams entwickelten Umsetzungsmöglichkeiten. So konnten überzeugende Best-Practice-Beispiele generiert werden, die mit Hilfe von Peer-Reviews Eingang in den Umsetzungsprozess fanden.

Als vorteilhaft für die Umsetzung beschrieb Frau Muff unter anderem die Rahmenbedingung, dass es sich bei der BSL um eine kleine Hochschule mit vielen Beteiligten aus der betrieblichen Praxis handle, die um die praktische Relevanz von Nachhaltigkeit und Verantwortung wissen. Ausserdem sei das Selbstverständnis der Hochschule als ein Ort, an dem zukunftsrelevante Aspekte diskutiert und bearbeitet werden sollen, relevant für eine erfolgreiche Umsetzung. Eine vergleichbare Zielformulierung hat die HSG vorgenommen. Deshalb schlägt Frau Muff vor, diese noch stärker zu thematisieren, um Lehrende für das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zu gewinnen.

Die Teilnehmenden an der anschliessenden Diskussion zum aktuellen Stand unseren Projekts waren sehr vielfältig: Studierende und Professoren, wie auch Programmverantwortliche von universitären und außeruniversitären Einrichtungen beteiligten sich sehr rege an der Erörterung folgender Fragen:

  • Welche Kompetenzen benötigen wir für Sustainable Development? Inwieweit gibt es hierbei Unterschiede zwischen den Disziplinen? ‒ Erörterte Aspekte waren u.a. fächerübergreifende Kompetenzen, wie systemisches Denken sowie Werthaltungen und -diskussionen.
  • Welche Methoden setzen wir bereits ein, um die Studierenden anzuregen, über nachhaltige Entwicklung vertieft nachzudenken? Welche Rahmenbedingungen sind hierfür notwendig? ‒ Erörterte  Aspekte waren: Veranstaltungsformen, Lehrkompetenzen, Disziplinverständnis und Curriculumsgestaltung, um Themen interdisziplinär von Studierenden bearbeiten zu lassen.

Aus dem Nachmittagsprogramm möchte ich an dieser Stelle das Input-Referat von Herrn Prof. Stephen Sterling  hervorheben. An der Universität Plymouth setzt er sich für eine umfassende Verankerung des SD-Gedankens gemäss dem „4C-Model“ ein, das Franziska Burkart in ihrem Beitrag erläutert. Besondere und zweifache Herausforderung sieht er darin, dass die Einführung und Umsetzung des Sustainable-Developments-Gedankens ein strukturelles und organisationales Lernen bei allen Beteiligten der Hochschule fordert. Das Referat verdeutlichte gut, wie ein Projekt, wie das unsere, einen Beitrag zu einem wesentlich umfassenderen „institutional change process“ einer Hochschule darstellt, der alle universitären  Bereiche tangiert.

Ausblick möchte ich abschliessend auf den folgenden Sustainable University Day geben. Dieser wird im März 2015 an der Universität St. Gallen stattfinden. ‒ Wir freuen uns jetzt schon auf diesen Tag, der Forschenden, Interessierten und Betroffenen von Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule eine vielfältige Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und für Diskussionen gibt.

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Sustainable University Day – Workshop: “Integrating sustainable development into your academic curriculum: ready to share your experience?“

Im Rahmen des „Sustainable University Day“ (Beitrag von Patrizia Kühner) in Bern hat Stephen Sterling (Head of Education for Sustainable Development an der Plymouth University) im Workshop “Integrating sustainable development into your academic curriculum: ready to share your experience?” über seine gemachten Erfahrungen im zehnjährigen Projekt zur Integration von nachhaltiger Entwicklung im Universitätsbereich berichtet. Dabei hat er folgende Schwerpunkte behandelt:

  • Die Nachhaltigkeit soll nach dem „Four C model“ (Campus, Curriculum, Culture und Community) umgesetzt werden. Dies kann auf den drei Ebenen Mikro (Individuen, Veranstaltungen), Meso (Curriculum, Programm) und Makro (Strategie der Universität) geschehen.
  • Das pragmatische (aber zeitaufwändige) Vorgehen zur Einführung von Nachhaltigkeit beinhaltet als ersten Schritt das Erzeugen eines Auftrags und zwar in einem  relevanten und angemessenen Umfang. Als zweiter Schritt gilt es, Beispiele erfolgreicher Umsetzungen aufzuzeigen. In einem dritten Schritt soll die Unterstützung hauptsächlich auf bereits motivierte oder zumindest offene und interessierte Akteure abzielen („invitational approach“). Dabei soll auf bereits existierendes Vertrauen und (versteckte) Initiativen aufgebaut werden. Ebenfalls wichtig ist die Allianz zwischen diversen Mitwirkenden (und deren Erfahrungen),  mit welchen ein Netzwerk über Disziplinen hinweg geschafft wird. In einem vierten und letzten Schritt sollen gemachte Erfolge beibehalten und vor allem auch geteilt werden.
  • Die Integration ins gesamte Curriculum soll gegenüber der Spezialisierung mittels einzelner Veranstaltungen aufgrund der breiten und interdisziplinären Abstützung bevorzugt werden. Zudem werden bei spezifischen Kursen meist nur bereits interessierte Studenten angesprochen.

Anschliessend hat Karl Herweg (Head of Education Cluster an der Universität Bern) mittels Frageblatt konkrete Umsetzungsversuche erfasst und jeweilige Erfolgsfaktoren und Hemmnissen zusammengetragen. Mehrmals aufkommende oder besonders interessante Themen wurden danach im Plenum (infolge Zeitknappheit nur kurz an-) diskutiert:

  • Gibt es mehr als eine „nachhaltige Entwicklung“?
  • Was ist Reihenfolge zur Einstellungsänderung? Zuhören, kritisch darüber nachdenken, Verhalten ändern
  • Wie können Kollegen motiviert und unterstützt werden?
  • Soll die Integration „bottum-up“ oder „top-down“ verlaufen?

Es war faszinierend, wie die Situation genutzt wurde, um das Netzwerk zwischen den VertreterInnen verschiedenster Universitäten zu stärken. So können zukünftig Synergien genutzt und Erfahrungen geteilt werden und folglich die Universitäten voneinander profitieren.

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oikos & Pizza – Energie-Agentur der Wirtschaft

Im März 2014 besuchte ich „oikos & Pizza“, einen regelmässigen Anlass, um Studierende für Themen der Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und innovative Lösungen zu gegenwärtigen sowie künftigen Herausforderungen zu diskutieren.

Einleitend erfolgte ein kurzer Input zu Un-Dress, einem Fashionevent über „Bewusst sein mit Stil“ Ende April: Dort soll gezeigt werden, dass „nachhaltig“ und „modisch“ – trotz Aufeinandertreffen von Konsum, Mode und Natur – durchaus zusammenpassen.

Auf „Energie-Effizienz: Hemmnisse, Instrumente und Ansatzpunkte in der Wirtschaft“ lag der Fokus des Abends. Herr Dr. Armin Eberle, Geschäftsführer der EnAW (Energie-Agentur der Wirtschaft), referierte kompetent zu diesem Thema: Effizienz ist die Lösung zur Senkung des Energieverbrauchs trotz Wachstum der Bevölkerung bzw. der wirtschaftlichen Tätigkeit. Dadurch kann die Nachhaltigkeit über drei Facetten erreicht werden:
a) ökologisch, z.B. indem der CO2-Ausstoss vergingert oder Energie gespart wird.
b) ökonomisch, also mittels wirtschaftlichen Massnahmen.
c) sozial, bspw. durch Förderung von Cleantech, Arbeitsplätzen und Investitionen in die Schweiz.
Wichtig für die Sensibilisierung sowie die Um- und Durchsetzung ist nicht primär der Inhalt, sondern die Art und Weise der Kommunikation. Bedeutsame Treiber sind diesbezüglich Erfahrungsberichte anderer, Regulation seitens des Gesetzgebers, Wirtschaftlichkeit und Klimawandel.

Besonders beeindruckt (und überrascht) hat mich dabei, dass bis zu 40% des Energieverbrauchs eingespart werden können: Hauptsparpotenziale sind grundsätzlich der IT-Bereich, Gebäudegegebenheiten und der Geschäftsverkehr. Bei der Raiffeisen Bank betrugen die Einsparungen ohne jegliche physische Investitionen bereits 12%. Bewusstmachung und konkrete Hinweise zur Behebung von Ineffizienzen waren dabei ausschlaggebend.

Ebenso wurde das Energie-Management-Modell der EnAW vorgestellt:

Energie Modell EnAW

Sehr spannend waren die Erläuterungen dazu: Gemäss des Referenten ist nicht nur das Controlling, sondern allen voran die konkrete Zielvereinbarung von grosser Bedeutung. Nur so kann zu Massnahmen motiviert – respektive können diese durchgesetzt und gerechtfertigt – werden.

„oikos & Pizza“ regt zur Reflexion an und fördert den Kontakt bzw. Austausch mit Fachpersonen, ebenso aber auch zwischen den Studierenden. Meiner Meinung nach ist diese Veranstaltung von oikos ein Weg mit viel Potenzial zur Stärkung des Bewusstseins in der Thematik Nachhaltigkeit – also definitiv mehr als nur Pizza!

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Tagungsrückblick: DGfE-Kongress 2014 – Arbeitsgruppe zu Design-Based Research

Der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften stand zum 50-jährigen Jubiläum der DGfE unter dem Motto „Traditionen und Zukünfte“. Ganz im Sinne des Mottos präsentierte ich am Kongress Tobias Jenerts und meinen Beitrag zur Frage „Wie kann über Design-Based Research die wissenschaftliche und praktische Relevanz der Forschung gesichert werden?“. Design-Based Research (DBR) ist ein Forschungsansatz, der die Ziele der praktischen Problemlösung und der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung gleichermassen anstrebt.

Der Vortrag war Teil einer Arbeitsgruppe zu Design-Based Research, die Dieter Euler (Uni St. Gallen) und Gabi Reinmann (ZU Friedrichshafen) organisiert hatten. Ausgangspunkt war ein Beitrag der Organisatoren zu den Potenzialen von DBR für Erkenntnisgewinnung und Praxisgestaltung. Dieter Euler legte zunächst den Begriff DBR aus und erläuterte dabei die wesentlichen Charakteristika von DBR:

  1. Generierung von praktischen Problemlösungen bei gleichzeitiger wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung,
  2. Zusammenarbeit von Forschenden und Praktikern/-innen,
  3. ein zyklischer Forschungs- und Entwicklungsprozess.

Peter F.E. Sloane (Universität Paderborn) hat seinen Beitrag an der Leitfrage „Wie vollzieht sich die Generalisierung von Erfahrungen bzw. die Generierung von Wissen?“ orientiert. Er hat Design Prinzipien in ihren Charakteristika diskutiert und die bedeutsame Frage gestellt: Wo kommen Design-Prinzipien her – wie werden diese generiert?“ Dabei identifiziert er drei mögliche Wege zur Generierung: Intuition, Anwendung von Wissen (Applikation als grundlegendes heuristisches Prinzip) und Ausklammerung (Reduktion) wie in der Phänomenologie. Er stellt letztlich fest, dass diese Zugänge in anderen wissenschaftlichen Disziplinen (wie Philosophie, Theologie) durchaus genutzt werden, während sie in den Erziehungswissenschaften momentan kaum Anwendung finden. Es bleibt offen, wie Design Prinzipien zu generieren sind.

Isa Jahnke (Universität Umeå) hat anhand eines Projekts zur Online-Unterstützung von Lehre dargestellt, wie DBR konkret durchgeführt wurde und wie viel Interaktion jeder Entwicklungszyklus umfasste. Interessant war, dass sie und ihre Kollegen/-innen als Auswertungsmodell die SeeMe-Methode (Herrmann, 2008) genutzt haben, um die Erkenntnisse aller Beteiligten offen zu legen. Allerdings besteht dabei eine Herausforderung in der Rolle des Forschenden, der diese Modellierungsprozesse reguliert.

In unserem Beitrag gehen wir schliesslich darauf ein, wie über den zyklischen Prozess von DBR einen Beitrag zur wissenschaftlichen Gültigkeit und zur praktischen Relevanz geleistet werden kann. Wir nutzen das Konzept der multiplen Signifikanzen (Leech und Onwuegbuzie, 2004) aus der Mixed-Methods-Forschung und wenden diese auf ein Forschungsprojekt zur Resilienzförderung in Brückenangeboten an.

Die Diskussion der Beiträge war sehr lebendig und wir konnten viele Aspekte zum Weiterdenken mitnehmen… Unsere methodologische Diskussion zu DBR geht also sicherlich weiter 🙂