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DGfE Nachwuchstagung Bildung für nachhaltige Entwicklung

Rückblick auf die Nachwuchstagung des BNE Netzwerktreffens am 08./09.11. 2013 an der Uni Bern

Bei dem zweitägigen Treffen, bei dem ich am Samstag teilnehmen konnte, tauschten sich um die 30 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus, die sowohl theoretisch-konzeptionell als auch empirisch zu dem (weitum)spannenden Themenbereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, kurz „BNE“ forschen, welcher sich aus der gleichnamigen Weltdekade der Vereinten Nationen (2005-2014) ergibt.

Diskutiert wurde auf Grundlage von zwei Impulsreferaten über die Auffassungen (Dr. Di Giulio, Universität Bern) und evolutionstheoretischen Grenzen (Dr. Christine Schmidt, Universität Erlangen-Nürnberg) von „BNE“ sowie den Arbeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Letztere waren am zweiten Tag dem Aspekt des Kompetenzerwerbs gewidmet und zeigten zum einen auf, wo Prinzipien der Nachhaltigkeit verankert werden können (u.a. Lehrerbildung, Hochschullehre) und zum anderen, welche Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung als notwendig erachtet werden. Am Ende des Tages stand aber weniger die Konstitution einer einheitlichen Begrifflichkeit im Fokus als die Diskussion der verschiedenen Auffassungen. Gemeinsam war ihnen, dass sie meist – gemäss der Ursprünge der Diskussion – bei der Umweltbildung ansetzten und ihre Realisation mehrheitlich in Bildungskontexten zu naturwissenschaftlichen Disziplinen fanden (z.B. Biologie, Geografie).

Anknüpfungspunkt zu den Arbeiten der Hochschulentwicklung an der HSG kann der Transfer von erörterten Ideen und Fragestellungen in die Gestaltung ökonomischer Bildung sein. Hervorzuheben sind dabei die Projekte der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg zur Förderung des systemischen Denkens als Voraussetzung dafür, Fragen nachhaltiger Entwicklung überhaupt erörtern zu können. (Unter anderem wurde ein Messinstrument entwickelt, das systemisches Denken erfassen kann.) Die von Anna Sundermann vorgestellte Längsschnittstudie im Bachelor der Leuphana-Universität Lüneburg hat eine konkrete Anbindung zu unserer Arbeit an der HSG. In dieser wird die Wirkung der umfassenden Integration von Nachhaltigkeit in einem ersten gemeinsamen fächerübergreifenden Semester auf Einstellungen, Werte und Interesse der Studierenden untersucht. Sowohl Inhalte des sog. „Leuphana“-Bachelors als auch Ergebnisse über die Wirksamkeit könnten interessante Reflexionsfolien für unser  Veränderungsprojekt zur Integration von Sustainable Development im Bachelor BWL darstellen.

In diesem Zusammenhang beschäftigt uns weiter auch eine zentrale Fragestellung der Tagung, nämlich die nach der Relevanz von Werten in der Diskussion um BNE. Im abschliessenden World-Café der Tagung herrschte zu dieser Einigkeit darüber, dass – ähnlich wie bei Menschenrechten – Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht „wertfrei“ sein kann. – Für die Lehre stellt sich allgemein aber die grundsätzliche Frage, wie sie vor dem Ethos eines Indoktrinationsverbots (kein Aufzwingen von Meinungen durch Lehrende) mit diesem Sachverhalt umgehen kann, muss oder soll. – Sie wurde auch schon auf der Podiumsdiskussion zur Verantwortung und Nachhaltigkeit an der HSG im Oktober 2013 diskutiert und scheint eine Ursache für das oft „schwierige“ Image des Themas „Nachhaltigkeit“ zu sein, mit dem man bei Vorhaben zur konkreten Implementierung von BNE regelmässig konfrontiert ist.