Archiv für den Monat: November 2013

Lehrevaluation und das eigene Empfinden: eine subjektive Reflexion

Berg

Was bringt mir als Lehrendem eigentlich die Evaluation der eigenen Veranstaltung? Ja, klar, sie sollte zumindest grobe Hinweise darauf geben, wie die Studierenden die eigene Lehre wahrnehmen. Häufig aber – so ging es zumindest mir – hatte ich das Gefühl, die Rückmeldungen auf Basis geschlossener Fragebogen-Items sind viel zu allgemein. „Ob es gut gelaufen ist oder nicht, merke ich auch selbst.“ – hatte ich gedacht.

Insofern brachte meine letzte Lehrevaluation durchaus ein gewisses Aha-Erlebnis. Das Blockseminar „Teamsituationen gestalten“ hatte ich schon mehrfach durchgeführt und insofern glaubte ich, ein ganz gutes Gespür für den Veranstaltungsablauf zu haben. In diesem Durchgang war es dem Empfinden nach recht mässig: Mässig interessierte und motivierte Studierende, mässige Diskussionsbeiträge, mässige Ergebnisse bei Gruppenarbeiten… so mein Empfinden. Mässig war dann auch meine Motivation nach dem ersten Blocktag. Die erste kleine Überraschung zeigte sich am zweiten Tag, wo die Studierenden abschnittsweise in Gruppen selbst lehren –  das machten sie diesmal richtig gut. Die grösste Überraschung kam dann aber in der Lehrevaluation. Die Studierenden waren vom Format der Veranstaltung wohl recht angetan und nach eigener Auskunft sehr am Thema interessiert.

Nochmal kritisch nachgedacht meine ich, dass wohl ich selbst der am mässigsten Motivierte war und diese Einstellung als Erwartung auf die Studierenden übertragen habe. Vielleicht, weil ich die Veranstaltung in ähnlicher Form schon mehrfach durchgeführt hatte? In jedem Fall kann man sich wohl nicht immer auf das eigene Gefühl verlassen, wenn es um die Einschätzung der Lehre geht. Hilfreich ist, dass die Kollegen/-innen der Qualitätsentwicklung an der Universität St. Gallen seit einiger Zeit ein neues Instrument verwenden. Dabei steht nicht (mehr) die Einschätzung der Dozierendenpersönlichkeit i.S. des „Gefallens“ im Vordergrund, sondern es wird nach konkreten Elementen und der Sinnhaftigkeit des didaktischen Designs (Qualität behandelter Problemstellungen, Materialien etc.), dem empfundenen Lernfortschritt sowie der Motivation und dem Engagement der Studierenden selbst gefragt. So gibt die Evaluation tatsächlich Anlass, die eigene Wahrnehmung etwas zu relativieren.

Start der Innovation Cohort der Global Responsible Leadership Initiative (GRLI)

 

Vom 31.10.-02.11.2013 konnten Maria Tödtli und ich am ersten Termin der so genannten Innovation Cohort der Global Responsible Leadership Initiative (GRLI) teilnehmen. Bei der GRLI handelt es sich um eine weltweite Partnerschaft von Unternehmen und Business Schools mit dem Ziel, eine nächste Generation von verantwortungsvoll handelnden Führungskräften zu entwickeln. Inzwischen sind 54 Partner-Organisation Mitglied in der GRLI. Aus der GRLI ist bereits die 50+20 Agenda hervorgegangen, die eine Vision für die zukünftige Management Education beschreibt. Um die Vision mit Leben zu füllen, ist es wesentlich, sich über die globale Verantwortung von Führungskräften und über deren Ausbildung auszutauschen. An der Idee von Austausch und Engagement setzt die Innovation Cohort an, die von der GRLI ins Leben gerufen wurde.

 „A global peer-based laboratory of management educators, leadership developers and organizational leaders innovating and transforming their organizations and offerings around the key roles articulated in the 50+20 vision: educating globally responsible leaders; enabling business to become the best for the world; engaging with societal and economic transformation.”

Die Veranstaltung in St. Gallen ist das erste von vier Arbeitstreffen. Bei der Innovation Cohort steht die Arbeit an eigenen Veränderungsprojekten mit Hilfe innovativer Methoden im Vordergrund. Über einen Zeitraum von 9 Monaten treffen sich die Teilnehmenden aus ca. 15 Institutionen (davon eine aus den USA) an vier verschiedenen Orten. In der Zwischenzeit werden die festgelegten Ziele in virtueller Zusammenarbeit verfolgt.

Maria und ich haben uns einer Gruppe von Kollegen/-innen von der Wirtschaftsuniversität Wien, der Universität Oulu in Finnland, der Business School Lausanne sowie der Rhodes Business School in Südafrika angeschlossen und werden uns mit der Frage der Motivation von Lehrenden an Business School für die Themen „Sustainable Development“ und „Responsible Leadership“ beschäftigen. Das ist auch ein Thema, das uns im Veränderungsprojekt zur Integration von Sustainable Development im Bachelor BWL begleiten wird. Wir sind also gespannt, wie es mit der Innovation Cohort weitergeht…