Lehre hoch n: Einige Gedanken zur Zukunft der Lehrentwicklung an Hochschulen

111

Seit Herbst 2012 dürfen wir als Team für Hochschulentwicklung im Auftrag der Volkswagenstiftung die Begleitforschung des Weiterbildungsprogramms Lehre hoch n – durchgeführt von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. -durchführen. Gegenstand der Begleitforschung sind die Jahrgänge 2010/11 und 2012/13 (und künftigt auch 2014/15) dieses Programms , das sich an Personen richtet, die mit der Weiterentwicklung von Hochschullehre befasst sind. Mit Lehrenden, Hochschuldidaktiker-Innen und Leitungspersonen werden unterschiedliche Akteursgruppen innerhalb des Gestaltungsbereichs Lehre angesprochen; das Aufeinandertreffen dieser Gruppen in einem Programm gehört dabei bereits zu den Besonderheiten von Lehren. Strukturell ist das Programm durch  folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Programm mit Fokus auf die lehrbezogene Hochschulentwicklung.
  • Rund 30 Teilnehmende pro Jahrgang, verteilt auf die drei Akteursgruppen mit VertreterInnen aus Fachhochschulen und Universitäten.
  • Auswahl der Teilnehmenden auf Basis einer Initiativbewerbung (bundesweite Ausschreibung; prinzipiell auch international zugänglich), lehrbezogene Entwicklungsprojekte der Bewerbenden als wichtiges Auswahlkriterium (mit gesteigerter Bedeutung im Jahrgang 2012/13).
  • Präsenzprogramm mit fünf Workshops über neun Monate hinweg: Input-Referate von Fachexperten strukturieren jeweils die Interaktionen der Teilnehmenden, die jeweiligen Innovationsprojekte werden vorgestellt und diskutiert.
  • Follow-up Aktivitäten zum Aufbau bzw. zur Aufrechterhaltung einer „Community of Practice“: Informelle Interaktionen zwischen den Teilnehmenden eines Jahrgangs sowie organisierte Netzwerktreffen helfen, den Wissens- und Erfahrungsaustausch aufrecht zu erhalten.

Strukturell handelt es sich also durchaus um eine Innovation im Bereich der Lehrentwicklung bzw. Hochschuldidaktik: Man rückt ab von der Weiterbildung des Lehrpersonals in der eigenen Hochschule (Push-Prinzip) und versucht stattdessen, Muliplikatoren als LehrenwicklerInnen und Change-AgentInnen weiterzuentwickeln und diese auch als Community zu etablieren.

Mittlerweile hat die Begleitforschung einen ersten Zwischenbericht hervorgebracht, der an dieser Stelle jedoch nicht näher thematisiert werden soll. Vielmehr haben wir im Zuge der Begleitung von Lehre hoch n, in der Interaktion mit den Teilnehmenden und den Programmverantwortlichen selbst sehr viel gelernt. So hat sich über die Zeit eine Reihe von Fragen ergeben, welche für die weitere Ausgestaltung von lehrbezogenen Entwicklungsprogrammen relevant erscheinen:

  • Wie kann es gelingen, den in Lehre hoch n praktizierten Ansatz, Lehrentwicklung als Teil der Hochschulstrategie zu betrachten, auch in den Governance-Strukturen und -Prozessen einzelner Hochschulen zu etablieren?
  • Muss eine Lehrentwicklung, die sich als Personal- und Organisationsentwicklung versteht, von individuellen Karrierewegen im akademischen Betrieb ausgehen, d.h. akademisch-wissenschaftliche und lehrbezogene Weiterentwicklung zusammen denken und durchführen (als Faculty Development in umfassendem Sinne)?
  • Sollte die Weiterentwicklung der Lehre grundsätzlich mikrodidaktische (d.h. personen- und veranstaltungsbezogene) und strukturelle (z.B. programmbezogene) Aspekte gemeinsam betrachten, um wirkungsvolles Handeln einzelner Personen zu ermöglichen? Wo liegen hier die zentralen Hürden und wie kann es besser gelingen?
  • Wie kann es gelingen, Muliplikatorenansätze wie Lehre hoch n in die Breite zu bekommen, d.h. mit „klassischen“ Push-Ansätzen der Lehrentwicklung bzw. Hochschuldidaktik zu verbinden?

Für uns ist die Bearbeitung dieser Fragen zentral, um einen nächsten Schritt in der lehrbezogenen Hochschulentwicklung tun zu können. Über Anregungen und Meinungen hier im Blog freuen wir uns.

Ein Gedanke zu „Lehre hoch n: Einige Gedanken zur Zukunft der Lehrentwicklung an Hochschulen

  1. Pingback: Two months at CEDAR | Lehren und Lernen - Hochschulentwicklung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*